Harburg –  Als habe es den Ärger mit Straßensperrungen und Umleitungen nie gegeben: Wenn es um Baustellen

geht, wird weiter im stillen Kämmerlein geplant. Die betroffenen Bürger kommen in den Überlegungen nicht vor. Jüngstes Beispiel: Seit Montag ist die komplette Kasernenstraße plötzlich Einbahnstraße in Süd-Nord-Richtung, außerdem wurde an der Westseite der Straße absolutes Halteverbot angeordnet. Das Ganze gilt nicht für 14 Tage, sondern bis Dezember 2019.

Die Anwohner – und nicht nur die – wurden von dieser Regelung überrascht. Es gab vorher keinerlei Information, selbst die Pressestelle des Bezirksamts, die sonst über jede Fahrbahnverengung vorab informiert, hielt es nicht für nötig, die Anwohner zu informieren. Es ist zwar keine Vollsperrung, aber für einige Bereiche wird es ziemlich kompliziert, sie mit dem Auto zu erreichen.

Paketboten und Umzug-Spediteure werden sich im Einbahnstraßen-Gewimmel im Wohnquartier zwischen Technischer Universität nur schwer zurechtfinden. 
Da man von der Schwarzenbergstraße nicht in die Kasernenstraße einbiegen darf, muss man nun in die 500 Meter entfernte Friedrich-Ludwig-Jahnstraße fahren und die Bennigsenstraße nutzen. Aber Achtung! Wer nicht weiß, dass die Kasernenstraße in voller Länge – und nicht nur im Bereich einer neuen Baustelle – Einbahnstraße ist, sitzt in der Falle. Denn er muss wieder nach rechts abbiegen und landet schließlich wieder auf der Schwarzenbergstraße. Da wo er hergekommen ist.

Überhaupt keine Chance hat man, wenn man auf diesem Weg eine Adresse im oberen Teil des Compewegs ansteuern will. Da kommt man nur hin, wenn man von der Eißendorfer Straße ins Wohnquartier hineinfährt. Das müssen Anwohner und Ortsunkundige irgendwie selbst herausfinden.

Warum ist die Kasernenstraße überhaupt zur Einbahnstraße geworden? Dass herauszufinden ist nicht ganz einfach. Klar ist, dass es um eine Baustelle im oberen Bereich der Kasernenstraße handelt. Bezirksamtssprecher Dennis Imhäuser verrät zwar, dass es sich um eine „private Hochbaumaßnahme handelt, die bis zum Ende des Jahres andauern wird“. Der Bauherr müsse aber nicht zwingend genannt werden. Die Baustelle sei ordnungsgemäß angemeldet worden, das Bezirksamt habe dem Bauherrn eine Sondernutzung für die Einrichtung genehmigt. Imhäuser:  „Ob und in welchem Umfang der Bauherr Anlieger informiert, entscheidet jede Baufirma für sich, solange sichergestellt ist, dass Anlieger ihre Grundstücke erreichen können.“ Es gebe jedenfalls keine Auflagen zur Information der Anlieger.

„Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass die betroffenen Bürger informiert werden“, sagt SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath. Wie das hier gelaufen sei, sei jedenfalls „äußerst misslich“. CDU-Fraktionsvize Rainer Bliefernicht müsste als Vorsitzender des Harburger Verkehrsausschusses eigentlich aufklären können, in dem Ausschuss berichtet die Polizei über alle verkehrslenkenden Maßnahmen. „Ich bin völlig überrascht worden“, sagt Bliefernicht aber. „Und ich bin auch nicht damit einverstanden, wie das gelaufen ist.“

Weitere Nachfragen hat das Bezirksamt bisher nicht beantwortet. Dafür ist inzwischen klar, welcher Bauherr hier tätig werden will. Die städtische Sprinkenhof GmbH errichtet für die Technische Universität das Zentrum für Studium und Promotion (ZSP). Dort sollen Studenten lehren und lernen können, dort werden aber auch Promotions-Prüfungen abgenommen. ag