Islam-Kaufhaus

Neugraben - Eine libanesische Journalistin hat in Siedlung in Neugraben-Fischbek eine Frau aufgespürt, die als Anhängerin des IS nach Syrien gereist war,

und dort den deutschen Rapper Deso Dogg heiratete, der als IS-Terrorist getötet wurde. Heute lebt die 34-jährige Deutsche mit tunesischen Wurzeln unbehelligt mit ihren Kindern in einem Mehrfamilienhaus und arbeitet angeblich als Event-Managerin und Dolmetscherin.

Das Bild, das die Journalistin Jenan Moussa über sie zeichnet, ist anders. Grundlage sind hunderte, wenn nicht über tausend Bilder eines Handys. Es gehörte offenbar der 34-Jährigen, die es in Syrien verloren haben muss. Das Gerät wurde der Journalistin zugespielt. Die Bilder zeigen die 34-Jährige. Mal tief verschleiert, mit ihrem Mann, dem getöteten IS-Kämpfer. Die Bilder zeigen ihre bereits als Kind verschleierte Tochter und ihren kleinen Sohn in Kampfanzug mit Pistole oder sie, unverschleiert, wie sie lachend den Zeigefinger hochhält. Das ist das Erkennungszeichen des IS. Eine anderes Bild zeigt offenbar auch die 34-Jährige. Darauf ist sie voll verschleiert zu sehen mit einem russischen Sturmgewehr in der Hand. Mit den Bildern konnte die Journalistin den Weg der Frau, die hier geboren wurde und in Finkenwerder in die Grundschule ging, nachzeichnen. Selbst der Flug mit ihrem Mann, den sie 2015 heiratete, und den kleinen Kindern in die Türkei und die Reise weiter nach Syrien, sind dokumentiert.

Dokumentiert ist auch, dass die Behörden seit Jahren wussten, dass die Frau nach Syrien aufgebrochen ist. Das Jobcenter in Frankfurt strich ihr in einem Schreiben mit Datum vom 10. März 2015 die Sozialleistungen, die die Frau bezogen hatte. Als Grund wurde in dem Brief "Ausreise nach Syrien" angegeben. Zu dem Zeitpunkt war sie mit ihrem Mann und den Kindern bereits seit mindestens einen Monat im IS-Gebiet. Etwa sechs Wochen später war die Frau Witwe. 1310 US-amerikanische Dollar war das dem IS wert. Das Geld, so die Recherche der Journalistin, bekam sie in zwei Raten. Dazu gab es ein Schreiben, dass sie "Witwe eines Märtyrers" sei.

Später heiratete sie den deutschen Rapper, der zum IS-Kämpfer wurde. Er war ein enger Freund ihres getöteten Mannes gewesen. Auch er wurde später getötet. Bilder zeigen Deso Dog und mit der heute 34-Jährigen oder ihren Kindern.

Auf dem Handy der 34-Jährigen sind weitere Fotos zu finden. Auch Fotomontagen. Eine zeigt IS-Kämpfer vor dem Bundestag. Dazu die Unterschrift "Die Rache wir bei euch sein". 2015 endet die selbst gemachte Dokumentation über ihr Leben als "IS-Braut"

In Harburg war die Frau bereits länger im religiös geprägten Umfeld unterwegs. Zusammen mit ihrer Schwester, soll sie den "Mumin-Shop" betrieben haben, der in Verbindung mit dem nie verwirklichten "Firdaus-Center", übersetzt "Paradies-Kaufhaus", stand. Für das Kaufhaus, das 2012 am Krummholzberg entstehen sollte, wurde bereits die Werbetrommel gerührt.

Ob aktuell gegen die Frau ermittelt wird, ist unklar. Die Bundesanwaltschaft nahm dazu keine Stellung. Der 34-Jährige selbst war nicht zu erreichen. zv