Harburg - Bittere Nachricht aus Harburgs Einzelhandel: Der Genussladen Sohl am Sand wird Ende März geschlossen. "Wir

haben sehr lange über diesen Schritt nachgedacht, verschiedene Alternativen geprüft und uns letztlich schweren Herzens dazu entschlossen", sagte Stefan Sohl am Mittwoch gegenüber Harburg-aktuell.

Vor fast genau neun Jahren, im März 2010, haben sich Anne und Stefan Sohl mit diesem kleinen aber feinen Geschäft einen Traum erfüllt. Das nur 25 Quadratmeter große Geschäft entwickelte sich schnell zum Treffpunkt für Freunde regionaler, in Hamburger Manufakturen  produzierter Köstlichkeiten. Der Genussladen hatte für jeden Anlass die passende kulinarische Kleinigkeit im Angebot.

In wenigen Wochen werden nun die Lichter ausgehen. „Wir haben tolle neun Jahre hinter uns. Der Schritt in die Selbständigkeit fiel uns damals nicht leicht, dennoch sind wir sehr froh, ihn gegangen zu sein", sagen die beiden.

Sehr viel Arbeit und vor allem sehr viel Zeit steckten die beiden in ihr Geschäft. An zuletzt sechs Tagen in der Woche war der Laden geöffnet. „Diese Zeit fehlt uns im Privatleben“, sagt Anne Sohl und fügt hinzu: „Viele unserer Kunden begleiten uns ja schon seit der ersten Stunde und wissen, dass wir in der Zwischenzeit zwei quirlige Jungs zu unserer Familie zählen können. Die beiden haben in den letzten Jahren viel zu wenig von uns gehabt, insbesondere in der Weihnachtszeit. Das wollen wir ändern.“

Gerade in der Weihnachtszeit wurde der Genussladen zur beliebten Anlaufstelle für Geschenke aller Art. Von großen Firmenaufträgen bis hin zu kleinen Geschenken für den Adventskalender haben Sohls viele Wünsche erfüllen können. „Das Weihnachtsgeschäft war immer klasse“, berichtet Stefan Sohl. „Allerdings waren es die Umsätze aus dem Dezember, die den Genussladen die Jahre über am Laufen gehalten haben. Leider reichte es nicht, um jemanden dauerhaft einstellen zu können, der uns dann entlastet hätte.“

Neben der Familie blieben in der Vergangenheit auch Freunde, Hobbys und Urlaub auf der Strecke. Damit soll bald Schluss sein: "Jetzt ist die Zeit gekommen, beruflich neue Wege zu gehen und so hoffentlich mehr Zeit für die Familie zu haben, denn davon gab es in den letzten Jahren definitiv zu wenig."

Ein weiter Grund ist laut Stefan Sohl der bevorstehende Umbau der Marktfläche: "Die Laufkundschaft wird durch die Verlegung des Marktes und der Bauarbeiten vermutlich noch weniger werden. Ob wir die Zeit des Umbaus überlebt hätten, ist sehr fraglich."

Die beiden geben „ihren“ Laden nicht so richtig gerne auf. „Es war eine tolle Zeit, auch wenn es oft sehr anstrengend war. Wir haben in den Jahren zu vielen Kunden ein persönliches Verhältnis aufgebaut. Oft waren wir Anlaufstelle für einen netten Schnack oder hatten ein offenes Ohr für die Sorgen der Kunden. Insofern tut es uns jetzt besonders leid um die Stammkunden, die ihre Lieblingsprodukte jetzt anderweitig besorgen müssen.“

Anne Sohl wird wieder in ihren gelernten Beruf als Pädagogin zurückkehren. Stefan Sohl, der eigentlich gelernter Bankkaufmann und Wirtschaftswissenschaftler ist, will sich beruflich neu orientieren.  (cb)