Harburg - Was als entspannter Ausflug von fünf Reiterinnen aus Harburg und ihren Pferden begann, endete am Sonntag in einen

Unfall mit schwerwiegenden Folgen für alle Beteiligten. Die Rittführerin der Gruppe war an diesem Tag Ilona Derboven aus Harburg. Sie ist erfahrene Trainerin beim VFD für Pferde und deren Reiter. Mit ihrem Pferd "Eco" war sie mit vier Freundinnen auf reiterlicher Erkundigungstour in Schwiederstorf unterwegs.

Dann kam es zu der Katastrophe: Ein 39-jähriger Radfahrer raste von hinten ungebremst in die Reitergruppe. "Die Schwiederstorfer Straße hat ein starkes Gefälle, wie ein Pfeil schoss er heran; mit über zwei Promille im Blut, wie die Polizei später feststellte. Herr seiner Sinne war er nicht", schildert die Pferdeexpertin gegenüber harburg-aktuell den Unfall-Hergang.

Drei Pferden passierte nichts. Das vierte Pferd, den Haflinger "Magnum" von Gundi Hauptmüller, streifte er mit dem Lenker an Bauch und Schulter, dabei verlor er das Gleichgewicht. Die Reiterin konnte ihr Pferd am Durchgehen hindern. Sie selbst erlitt einen Schock. Ilona Derboven war zu Fuß unterwegs, an der einen Hand ihr Pferd „Eco“, an der anderen Ihre beiden Hunde „Goerge“ und „Brunö“. Ihr Pferd erschrak, weil das Rad die Hinterläufe streifte und dann in Panik geriet. Als Fluchttier rannte es natürlich los. Ilona Derboven stürzte. Ihr 12-jähriger Freiberger erlitt durch das Durchgehen ein Schleudertrauma, wie der Tierarzt später diagnostizierte. Sie selbst wurde zur Behandlung mit ins Krankenhaus Buxtehude gebracht.

Die Tour des alkoholisierten Radfahrers endete an einem Baum. Die Reiterinnen reagierten umsichtig, versorgten erst die erschreckten Pferde und kümmerten sich dann um den verletzten Betrunkenen. Der war nicht ansprechbar. Notarzt und Polizei wurden alarmiert.

Eine Polizei-Meldung, von der auch harburg-aktuell vor einigen Tagen berichtete. Auf dem ersten Blick scheinen alle Glück gehabt zu haben - wäre da nicht die Tatsache, dass Pferde Lebewesen sind. Derboven: "Sie können nicht wie ein Auto in die Werkstatt gegeben werden und kommen danach voll funktionsfähig aus der Reparatur. Zwei Pferde sind traumatisiert. Sie können es jetzt nicht ertragen, wenn sich etwas von hinten nähert. Sie geraten in Panik und versuchen zu fliehen." Aus geländesicheren Tieren sind - vorerst - Angsthasen geworden.

„Das ist wieder abtrainierbar“,
sagt Ilona Derboven: „Aber das geht nicht von heute auf morgen, da sind einige Trainerstunden notwendig, und es kann bis zu zwei Jahre dauern.“ Doch wer zahlt diese Trainerstunden? Wer zahlt die kaputten Ausrüstungsgegenstände und wer trägt die Ausfallkosten für die Trainerin selbst? Und wer zahlt das Schmerzensgeld? Diese und andere Fragen gehen jetzt ihr und den anderen Geschädigten durch den Kopf, die beim Sturz mehrere schwere Prellungen erlitt.

Der Betrunkene, der sich nach notärztlicher Unterstützung wieder berappelte und mehrfach versuchte vom Unfallort zu flüchten, ist angeblich Hartz-IV-Empfänger. Wahrscheinlich hat er keine Haftpflichtversicherung, die den Schaden übernimmt.

"Ich habe bei der Polizei Akteneinsicht beantragt", sagte der von Ilona Derboven beauftragte Rechtsanwalt Mike Oelfke auf Anfrage von harburg-aktuell: "Wenn es sich bestätigen sollte, das der Mann vom Existenzminimum lebt und nicht versichert ist, bleiben die Geschädigten vermutlich auf ihren Kosten sitzen. Die Verkehrsopferhilfe greift nur bei Unfällen, die durch nichtversicherte Kraftfahrzeuge verursacht werden, jedoch nicht bei Radfahrern."

Ilona Derboven und ihre Freundinnen sind entsetzt: "Wenn niemand für den Schaden aufkommt und wir ihn selber tragen müssen, klafft doch da doch eine große Lücke im System. Das darf doch nicht sein."   (cb)