Eißendorf - Bei den Fräsarbeiten am Ehestorfer Weg ist ein Stück Harburger Geschichte zum Vorschein gekommen: Die historische

Kopfsteinpflasterstraße wurde freigelegt. Auf rund 100 Metern wird jetzt sichtbar, was viele Jahrzehnte verschwunden war. Die erste Versorgungsstraße von Harburg in Richtung Landkreis wurde vor rund 100 Jahren an dieser Steigung gepflastert, damit die Pferdefuhrwerke leichter über die Kuppel kamen. Der Rest des Weges blieb noch lange eine einfache Sandstrecke.

"In Harburg gab es damals viele Kasernen und die Landwirte vor den Toren der Stadt versorgten die Soldaten über dieses Straße mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern", sagt Anwohner Hermann Martens. Der 81-jährige der sich gemeinsam mit seinem Sohn Thomas-Hermann Martens über das freigelegte Pflaster freut. Die Familie ist seit Ewigkeiten an der Straße beheimatet. "Der Gründer des Lokals Majestätische Aussicht war mein Ur-Ur-Großvater. Der hieß natürlich auch Hermann", sagt Thomas-Hermann Martens.

Gegründet wurde die Majestätische Aussicht im Mai 1866. Schnell entwickelte sich der Gasthof zu einem beliebten Ausflugsziel für die Menschen aus der Stadt, die mit dem Schiff nach Moorburg kamen und von dort durch die Harburger Berge wanderten. Martens: Natürlich kamen auch viele Menschen über die Kopfsteinpflasterstraße, die erst Anfang der 70er-Jahre asphaltiert wurde und jetzt - rund 50 Jahre später - wieder zu sehen ist.

So eine Entdeckung ruft natürlich auch das Harburger Museum auf den Plan: Bodendenkmalpflegerin Dr. Elke Först war am Dienstag vor Ort, um sich das alte Pflaster anzusehen. "Es handelt sich allerdings um keinen archäologischen Fund, dafür ist das Pflaster nicht alt genug", lautete ihr Expertenurteil.

Lange Freude werden die Anwohner an dem Stück Zeitgeschichte also nicht haben. Im Zuge des Ausbaus der Straße werden hier bald die Asphaltierungsarbeiten beginnen. Deshalb hat sich Hermann Martens zwei alte Pflastersteine gesichert, bevor sie für immer verschwunden sind.  (cb)

Über dieses Pflaster ratterten noch die Pferdefuhrwerke über die Kuppel am Ehestorfer Weg. Foto: Christian Bittcher