Harburg – Es ist einer der größten Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, der in den vergangenen Jahren in Hamburg entdeckt wurde. Mit Leitwerk, das beim Aufschlag

abgerissen wurde, war die Bombe amerikanischer Bauart gut zwei Meter lang und mit rund 500 Kilo Sprengstoff gefüllt. Drei Typen gab es davon, die sich marginal unterschieden. „Welche Ausführung es genau war, konnte wir bei der Entschärfung nicht feststellen“, sagt Sprengmeister Peter Bodes.

Der Blindgänger  galt als „Allzweckbombe“. Es war vor allem die große Detonationswucht, der die Bombe aus Sicht der Militärs auszeichnete. Sie riss Gebäude auf und deckte Dächer ab. So konnten Brandbomben besser in Gebäude hinein fallen.

Wann die Fliegerbombe auf Harburg genau abgeworfen wurde, ist kaum noch festzustellen. Harburg wurde im zweiten Weltkrieg von 53 Luftangriffen getroffen , bei denen Menschen ums Leben kamen Die Amerikaner flogen die Tagangriffe.

Der erste Luftangriff auf Harburg ereignete sich in der Nacht vom 17. Auf den 18. Mai 1940 gegen 0:30 Uhr. Der Angriff kam so überraschend, dass die Harburger nicht gewarnt wurden und viele Einwohner die Detonationen zunächst für Donnergrollen eines Gewitters hielten. Damals wurden etwa 500 Sprengbomben, verteilt über ganz Harburg abgeworfen. Der Luftangriff forderte 27 Einwohnern das Leben. Der letzte Große Luftangriff auf Harburg fand am 8. April 1945 statt. Dabei starben 24 Einwohner.

Besonders schwer wurde Harburg am 25. Oktober 1944 getroffen. 623 Menschen kamen ums Leben. Es war, gemessen an der Zahl der Opfer, der verheerenste Luftangriff, der im Zweiten Weltkrieg Harburg traf. In fast allen Stadtteilen fielen Spreng- und Brandbomben. In der Mädchenberufsschule starben die Leiterin der schule, acht Lehrerinnen und zwölf Schülerinnen, als sie nach einem Treffer durch eine Sprengbombe verschüttet wurden. Sehr schwer getroffen wurden die Haakestraße, die katholische Marienkirche und das damals angrenzende Krankenhaus Mariahilf, in dem der damalige leitende Arzt Dr. Spatz ums Leben kam. Auch das städtische Krankenhaus am Irrgarten, die Deutsche Bank, die Chemischen Werke Schön & Co. im Hafen, die Kreissparkasse an der Mühlenstraße wurden getroffen.

Am 4., 6., 11. Und 21. November fanden weitere schwere Luftangriffe auf Harburg statt. Dabei wurden das Union-Kino an der Bremer Straße und die Johanniskirche (4. November), die Mittelschule am Rathausplatz (6. November) getroffen. Am 11. November gab es nach Bombenabwürfen auf die Stadt und den Hafen einen Feuersturm. Besonders betroffen waren von den Bränden die Buxtehuder Straße, Wallstraße, Seiler-, Berg, Linden.- Marien.- Bremer, Eißendorfer und Ludwigstraße. Bei dem Luftangriff wurde auch das Rathaus getroffen, dessen Dach in Flammen stand. In der Folge stürzte der Uhrenturm herunter. Am 21. November wurde die Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße so schwer getroffen, dass der Turm ein drei Tage später gesprengt wurde. Bei dem angriff wurde auch ein Bunker in der St. Johanniskirche getroffen, wobei sieben Menschen starben.
1945 gab es noch zahlreiche weitere Luftangriffe. Allein bei einem Angriff wurden rund 500 Sprengbomben auf das Hafengebiet abgeworfen.

Aus der Chronik der Polizei geht hervor, dass bei den Luftangriffen auf Harburg 1.768 Einwohner ums Leben kamen. Harburg hatte 1939 laut Behörde 29.980 Wohnungen gehabt. Davon wurden 10.400 völlig, 5.750 schwer und mittelschwer und 11.500 leicht beschädigt. zv