Ratgeber - Auf den ersten Blick mag man die im Sommer 2018 eröffnete Boutique soleRebels auf St.Pauli für einen gewöhnlichen Schuhladen mit nicht ganz so

gewöhnlichen Schuhen halten. Was man nicht sofort erkennt: Die Gründerin des Labels, dessen Name so viel wie "Sohlenrebellen" bedeutet, zählt laut dem US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes zu den mächtigsten Frauen der Welt. Bethlehem Tilahun Alemu und ihre Mitarbeiter begannen 2004 im äthiopischen Addis Abeba mit der Produktion von Schuhen. Unter anderem aus Recyclingmaterialien wie etwa alten Autoreifen wurden und werden sie dort noch heute unter fairen Bedingungen hergestellt. Ihr Anliegen sei es, die Arbeits- und Lebensbedingungen in ihrer Heimat zu verbessern und so für dauerhafte Perspektiven zu sorgen, sagte die heute 38-jährige Unternehmensgründerin im Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Die Idee wurde zum großen Erfolg: Zuerst in Afrika, dann in Europa und den USA wurden soleRebels-Geschäfte eröffnet. Inzwischen werden rund 4.000 Paar Schuhe pro Monat in der äthiopischen Manufaktur hergestellt. Handwerklich gefertigt wird auch in der Maßschuhmacherwerkstatt von Anja Burisch in Eimsbüttel - ganz traditionell rahmengenäht sitzen die Schuhe am Fuß ihres Trägers wie angegossen. "Warum Schuhmacher wieder cool werden", titelte vergangenes Jahr die renommierte Neue Zürcher Zeitung und stellte Anja Burisch und ihre Werkstatt sowie andere Hamburger Schuhmacher vor. Einige von ihnen bilden wieder junge Menschen für den Beruf aus, der zwischenzeitlich vom Aussterben bedroht war. Für die Herstellung eines Paares maßgefertigter Schuhe benötigen die Experten rund 30 bis 40 Stunden. Die in liebevoller Handarbeit hergestellten Stücke haben allerdings ihren Preis, und nicht jeder kann sich eine Maßanfertigung leisten.

Was aber, wenn man aufgrund eines Fußleidens in herkömmlichen Schuhgeschäften keine passenden Modelle findet und trotz knapper Kasse auf Sonderanfertigungen angewiesen ist? Auch einige Onlineshops setzen auf Nischensortimente. So stehen beispielsweise bei LaShoe, einem Anbieter von Gesundheitsschuhen, zahlreiche Modelle zur Auswahl, die auf Füße mit dem häufigen Fußleiden Hallux valgus, der Ballenzehe, zugeschnitten sind. Das Credo des Onlineshops: Die Schuhe sollen ebenso bequem wie modisch sein. Im Vergleich zur Einzelanfertigung im Ladengeschäft kommt man hier um einiges günstiger weg. Wer also zum Beispiel gerade dringend auf der Suche nach weiter geschnittenen Stiefeletten für Herbst und Winter ist und in Schuhläden nichts Passendes gefunden hat, kann die geplagten Füße hochlegen, sich online durch das Sortiment klicken und sich die Ware nach Hause liefern lassen.

Während die einen sich freuen, beim Schuhkauf trotz spezieller Bedürfnisse eine große Auswahl zu haben, schränken andere sich freiwillig ein. So setzen zum Beispiel Veganer auf Schuhe, die vollständig ohne die Verwendung tierischer Produkte auskommen und im besten Fall fair produziert und gehandelt werden. Doch diese gibt es in vielen Boutiquen nicht - stattdessen werden dort beinahe ausschließlich Lederschuhe verkauft. Wer darauf verzichten möchte, kann dem Vunderland einen Besuch abstatten. Neben veganen Schuhen verschiedener Marken findet man dort auch Mode und Accessoires ohne Tierprodukte. Das Schlendern durch Hamburger Schuh-Boutiquen lohnt sich alleine wegen der Ideen und Geschichten, die sich hinter den Ladentüren verbergen. Und nachdem mit dem in Hamburg gegründeten Unternehmen Görtz schon einmal ein Schuhgeschäft aus der Hansestadt eine echte Erfolgsgeschichte geschrieben hat, darf man auf die Entwicklung der kleinen Boutiquen und Schuhmacherwerkstätten in den kommenden Jahren gespannt sein. dl