Ratgeber - Ein neuer Bereitschaftsdienst der Kassenärzte soll die Notaufnahmen der Hamburger Krankenhäuser entlasten.

Über die neue Notfallnummer können Patienten einen Notfallarzt anfordern, aber auch eine Beratung in Anspruch nehmen sowie einen zeitnahen Termin in ihrer Praxis vermittelt bekommen. Der Bereitschaftsdienst ist Teil eines Bundesgesetzes, das im Frühjahr 2019 vollständig umgesetzt werden soll. Freude in der Hamburger Politik: Die neue Notfallnummer 116 117, die seit dem 1. Mai für das Hamburger Stadtgebiet gilt, wird von der Bevölkerung gut aufgenommen. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) lobte die stetig wachsenden Nutzerzahlen des Notrufes bei einem Besuch der Notfallpraxis Farmsen Ende Juli. Der Beratungsdienst müsse jedoch noch bekannter werden. Die bundesweite Notfallnummer ist eine Erweiterung des bestehenden Notrufes 112, mit der eine Rund-um-die-Uhr-Beratung durch einen Arzt gewährleistet wird. So kann jederzeit ein ärztlicher Hausbesuch durch einen Notarzt angefordert werden.

Die Notfallnummer soll maßgeblich dazu beitragen, die vollen Notaufnahmen der Hamburger Krankenhäuser zu entlasten. Laut einer Studie der Universitätsklinik Eppendorf sucht über die Hälfte der norddeutschen Patienten die Notaufnahme wegen einer Bagatelle auf. Gründe dafür sind zumeist Bequemlichkeit und falsche Vorstellungen von den Behandlungsmöglichkeiten der normalen Arztpraxen. "Wer sich für einen Notfall hält, geht irgendwo hin. Der verhält sich nicht sozialversicherungstechnisch korrekt", äußert sich Stephan Hofmeister, Vizevorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Durch die Vermittlung von ärztlichen Hausbesuchen über die Rufnummer 116 117 sollen nur diejenigen Patienten an eine Notfallpraxis weitergeleitet werden, die solch eine Versorgung wirklich benötigen. Die Ausweitung des telefonischen Beratungsdienstes der Kassenärzte ist Teil des neuen Gesetzes, das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) entworfen hat: Das Termin-, Service- und Versorgungsgesetz, das am 1. April 2019 in Kraft treten soll, sieht vor allem eine Erhöhung der Sprechstundenzeit von 20 auf 25 Wochenstunden vor. Gleichzeitig sollen mehr finanzielle Mittel für die Fachärzte bereitgestellt werden.

Keine Strafgebühr für nicht-akute Notaufnahme-Patienten

Auch die Hamburger Patienten dürften sich über die verbesserten Beratungsmöglichkeiten freuen. Oft sind nicht nur die Notaufnahmen, sondern auch die regulären Arztpraxen überlastet, sodass es gesetzlich Versicherte schwer haben, einen passenden Termin zu bekommen. Eine alternative Art der Terminvereinbarung bieten bisher nur spezielle Internetportale an, auf denen man mit wenigen Klicks einen Termin ausmachen kann, auch für Fachpraxen wie zum Beispiel einen HNO-Arzt. Die neue Notrufnummer soll nun ihrerseits dazu beitragen, dass eine schnellere und zeitnahe Terminvereinbarung möglich wird. Eine weitere Alternative, die zurzeit kontrovers diskutiert wird, ist eine Strafgebühr für Patienten, die mit nicht akuten Beschwerden die Notaufnahme aufsuchen. Die Kassenärztliche Vereinigung möchte mit diesem Vorschlag bewirken, dass die Patienten künftig genau überlegen, wie dringend sie eine Behandlung benötigen. Die Strafgebühr, die auch als "Eintrittsticket" für die Notaufnahme kritisiert wird, stößt bei Prüfer-Storcks jedoch auf Ablehnung. Bei ihrem Besuch in der Notfallpraxis Farmsen äußerte sie sich ganz klar gegen eine solche Gebühr: "Die Strafgebühr wird nicht kommen, auch nicht als letztes Mittel."