Harburg - Mit "Fair Play" wirbt das Stader Vermietungs-Unternehmen. Die Polizei sieht das anders. Mit brutaler Gewalt soll ein Schlägertrupp

einen Mieter (21) an der Wilstorfer Straße attackiert und ihm einen Gesichtsknochen gebrochen haben. Es soll nicht der einzige Übergriff sein. Auch andere Mieter sollen bedroht und eingeschüchtert worden sein. Die Kripo ermittelt wegen Bedrohung, räuberischen Erpressung, gefährlicher Körperverletzung, aber auch wegen Mietwucher. Unter den Beschuldigten ist auch der 30 Jahre alte Sohn des Geschäftsführers, der als "Quartiermeister" für Hamburg fungiert.

Ein Anwohner erinnert sich an dem Tag, als es zu dem Übergriff gegen den Mieter kam. Es war der 15. april.  "Es gab Krach. Dann kam die Polizei mit vier Peterwagen und einem Krankenwagen", sagt der Mann. Dann wurde der verletzte Mieter, ein 21 Jahre alter Somalier, abtransportiert. Die Polizei nahm zwei Männer als Schläger fest. Es handelt sich um einen Syrer (22) und einen 22-Jährigen, dessen Herkunft in den letzten Wochen nicht geklärt werden konnte. Beide kamen in Haft. Die "Sicherheitskräfte" waren, davon geht die Polizei aus, die Männer für´s "Grobe".

Die beiden anderen Männer wurden ermittelt. Darunter ist auch der 30-Jährige Sohn vom Geschäftsführer. Die Polizei rückte im Büro der Firma und an den Wohnanschriften des 30-Jährigen sowie des zweiten ermittelten Beschuldigten (30) an. Dort wurden Unterlagen, aber auch eine Schreckschusswaffe sichergestellt.

Seitens des Vermieters wird der Ablauf anders dargestellt. Danach hatte es Provokationen durch die Mieter gegeben, die zur Eskalation geführt hätten. Die Wohnungen habe man wegen der mangelnden hygienischen Zustände aufsuchen müssen.

Die Firma, für den die Männer arbeiten, vermietet möblierte Zimmer. Angeblich, so suggeriert es die Internetseite, an Studenten und Berufsanfänger. Tatsächlich scheinen eher Ausländer, die auf dem Wohnungsmarkt wenig Chancen haben, Mieter zu sein. Allein in dem Haus an der Wilstorfer Straße werden laut eines Anwohners vier Wohnungen so stückchenweise vermietet. "Es war ein normales Wohnhaus", sagt ein Anwohner. "Dann hörte der alte Vermieter auf. Danach wurde an das Unternehmen vermietet, das weitervermietet. Dabei wird ordentlich zugelangt. Eines der Zimmer wird aktuell für 450 Euro angeboten. Bei einer Größe von elf Quadratmetern entspricht das einem Quadratmeterpreis von knapp 41 Euro. Gleich um die Ecke in der Lassallestraße, ebenfalls im Phoenix-Viertel, will das Unternehmen rund 45 Euro pro Quadratmeter und Monat für ein möbliertes Zimmer.

Die Ermittlungen laufen. Laut Polizeisprecher Florian Abbenseth wurden bereits weitere Opfer ermittelt. auch bei ihnen soll es bei der Einforderung angeblich ausstehender Mietzahlungen teilweise zu körperlichen Übergriffen gekommen sein", sagt Abbenseth. Auch von dem Einsatz von Schlagringen oder Messern ist die Rede.

Die Polizei geht davon aus, dass es noch weitere Opfer gibt, die sich bislang nicht gemeldet haben. Sie werden gebeten sich unter der Telefonnummer 4286-56789 an die Kripo zu wenden. zv