Harburg - Nach einem starken Rückgang der Kriminalität im Bezirk Harburg im vergangenen Jahr, wird in

diesem Jahr - entgegen dem Hamburg-Trend, die Kriminalität im Bezirk vermutlich wieder steigen. Das geht aus den Zahlen der Halbjahresstatistik der Polizei hervor.

Insgesamt wird für den Bezirk Harburg ein Anstieg der Kriminalität um 2,8 Prozent registriert. In ganz Hamburg war im ersten Halbjahr 2018 dagegen die Kriminalität um 4,4 Prozent zurück gegangen. Drei der sieben Hamburger Bezirks verzeichnen sogar Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich. Nur in Altona gab es einen Anstieg der Kriminalität.


In Harburg sind es vor allem die Stadtteile Eißendorf und Heimfeld, sowie Neugraben und Hausbruch, wo steigende Kriminalität verzeichnet wird. In Eißendorf stieg die Kriminalität im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,7 Prozent, in Heimfeld um 14,2 Prozent, in Hausbruch um 7,3 Prozent und in Neugraben um 5,1 Prozent.

Ein Grund für die Steigerung dürfte der steil ansteigende Kriminalitätsanstieg im Bereich Betrug sein. Hier wurde im Bezirk Harburg eine Steigerung von 15,6 Prozent oder 163 Fälle ausgemacht. Damit macht es einen erheblichen Teil des Anstiegs der Gesamtkriminalität aus, der in absoluten Zahlen im Bezirk Harburg 201 angezeigte Straftaten beträgt.

Problematisch entwickelt sich auch die Raubkriminalität. Nach einem starken Rückgang 2017 ist im ersten Halbjahr 2018 wieder ein Anstieg um 7,8 Prozent zu verzeichnen. Besonders stark fällt der in Harburg aus, wo die Zahl der Taten um 10,7 Prozent anstieg. In Harburg wurden mit 31 auf fast die Hälfte der insgesamt 69 im Bezirk angezeigten Raubüberfälle im erst Halbjahr 2018 begangen. Schaut man sich die Überfälle im „öffentlichen Raum“, also auf der Straße an, stieg die Zahl in Harburg um Besorgnis erregende 171 Prozent. Sie hat sich auf 19 Taten mehr als verdoppelt. Polizeiintern wird der Rückgang der Taten in 2017 auf die Festnahme und Inhaftierung von Serientätern zurückgeführt. Ob die inzwischen wieder auf freiem Fuß sind oder ob es andere Täter sind, war nicht zu erfahren.

In Hausbruch und Neugraben wurde zwar ein prozentual beachtenswerter Rückgang der Taten von 33 Prozent und 10 Prozent registriert. Tatsächlich ist aber in jedem Stadtteil die Zahl der Taten um jeweils eine zurückgegangen. Damit stagniert die Situation dort.

Die Zahl der Körperverletzungen ist, wie schon im vergangenen Jahr, im Bezirk rückläufig. Im ersten Halbjahr wurde ein Rückgang von 4,9 Prozent festgestellt. Im Harburger Kernbereich, wo sich etwa ein Drittel aller Taten ereignete. Dort stagniert die Entwicklung. Statistisch ist sie um 0,8 Prozent oder zwei Fälle gestiegen. Dafür geht die Zahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen um 12,8 Prozent im Bezirk Harburg zurück. Hier ist aber der Harburger Kernbereich auch das Problemgebiet. Mehr als 40 Prozent der schweren und gefährlichen Körperverletzungen ereignete sich im Stadtteil Harburg. Entgegen des Trends stieg die Zahl der Taten im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,3 Prozent an. In Neugraben und Hausbruch wird dagegen ein deutlicher Rückgang registriert. Das ist nicht überzubewerten. Dort sind die absoluten Zahlen, mit insgesamt 31 Fällen für die beiden großen Stadtteile, in einem Bereich, in dem es schnell große Schwankungen gibt.

Beim Diebstahl ist nach einem Rückgang in 2017 jetzt wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Das Delikt ist geprägt durch Ladendiebstahl. Schon wegen der Tatgelegenheiten ereigneten sich in Innenstadt Harburg rund die Hälfte aller Fälle und in Neugraben rund ein Sechstel der Taten. Insgesamt ist im gesamten Bereich des Bezirks Harburg in den Kernbereichen mit guten Einkaufsgelegenheiten ein Anstieg der Fälle zu registrieren. Besonders zugenommen haben die Diebstahlsdelikte in Heimfeld, wo sie um 13,3 Prozent anstiegen. Die Entwicklung spiegelt sich auch bei den in den Diebstählen enthaltenen Ladendiebstählen wieder. Im Kernbereich Harburg stieg die Zahl der Fälle um 16,2 Prozent an, in Neugraben um 74,3 Prozent und in Hausbruch um 87,5 Prozent.

Die Einbruchskriminalität ist weiter rückläufig. Sie ging im ersten Halbjahr 2018 im Bezirk Harburg um 5,8 Prozent zurück. Einen herausragenden Anstieg gab es in Marmstorf. Dort stieg die Zahl der Taten um 18 Fälle, was einem prozentualen Anstieg von 225 Prozent entspricht. Die meisten Einbrüche im Bezirk gab es mit 61 Taten in Eißendorf. Dahinter folgen Neugraben-Fischbek mit 51 Taten und Heimfeld mit 47 Taten. Damit sind Heimfeld und Eißendorf, die direkt nebeneinander liegen, das häufigste Ziel von Einbrechern. Ein Grund könnten die auch für Täter attraktiven Wohngegenden und die gute Fluchtmöglichkeiten in den Landkreis und vor allem auf die Autobahn sein.

Beim Autodiebstahl ist die Entwicklung erneut rückläufig. Die Zahl der Taten ging im Bezirk Harburg im ersten Halbjahr 2018 um 18,6 Prozent zurück. Insgesamt wurden im Bezirk 48 Fahrzeuge gestohlen. Auch die Zahl der Autoaufbrüche ist rückläufig. Sie ging um 11,1 Prozent auf 418 Fälle zurück. Gegen den Trend stiegen die Zahlen aber in Marmstorf und Eißendorf an.

Fahrräder wurden im Bezirk Harburg im ersten Halbjahr 2018 vermehr gestohlen. Die Zahl der Taten stieg um 1,4 Prozent auf 218 Fälle an. Die Schwerpunkte der Taten liegt in Harburg, in Neugraben und Hausbruch. Aber auch in Heimfeld wurde mit 32 eine nennenswerte Zahl von Fahrräder gestohlen. Insgesamt ist die Zahl der Fahrraddiebstähle im Vergleich zu Hamburg in Harburg auf niedrigem Niveau. Sie lag in den vergangenen Jahren im gesamten Bezirks deutlich unter der Zahl der Taten, die sich allein im Stadtteil Eimsbüttel angezeigt wurden.

Auffällig ist für den Bezirk ein starker Anstieg der Rauschgiftkriminalität. Sie stieg um 20 Prozent im ersten Halbjahr 2018 an. Kernbereich ist auch hier Harburg, wo 91 der insgesamt 210 Fälle registriert wurden. In Harburg wurde ein Anstieg um 26,4 Prozent verzeichnet. Auch in Neugraben und Hausbruch gab es nennenswerte Steigerungen. Die Entwicklung der Rauschgiftkriminalität ist stark abhängig von dem Verfolgungsdruck durch die Polizei. Allerdings muss es auch die Gelegenheiten für Ermittlungserfolge geben. Polizeiintern wird als Grund für den Anstieg der Rauschgiftskriminalität in Harburg auch die Drogenhilfseinrichtung am Schwarzenberg genannt, die nicht nur Abhängige, sondern auch Dealer anzieht, die im Umfeld Rauschgift verkaufen. Darüber hinaus werden Zusammenhang mit der Entwicklung auch Beschaffungskriminalität und andere in der Drogenszene häufig begangenen Delikte genannt. zv