Harburg - Sprengmeister des Kampfmittelräumdienst haben am Donnerstagabend eine 500 Pfund schwere britische Fliegerbombe

erfolgreich entschärft. Der mit einem Aufschlagzünder bestückte Blindgänger war bereits am Dienstag aus dem 4. Seehafen geholt worden. Es entwickelte sich einer der kompliziertesten Entschärfungseinsätze der letzten Jahre

Der Blindgänger war Dienstagmittag entdeckt worden. Beim Ausbaggern des 4. Seehafens hatte der Baggerführer die Bombe in der Schaufel bemerkt. Bevor der Mann reagieren konnte, war die Bombe bereits in die Schute geplumpst und in dem breiigen, fast schwarzen Schlick versunken. Zu dem Zeitpunkt war die Schute bereits nahezu voll mit mehreren hundert Tonnen Schlick beladen. Der Mann stellte sofort die Arbeiten ein und brachte sich in Sicherheit.

Der Kampfmittelräumdienst rückte an. Sie hatten keine Chance an den Blindgänger zu kommen. Es war zu dem Zeitpunkt auch völlig unklar, um was für eine Bombe es sich handelt und ob sie mit einem der gefährlichen Langzeitzünder ausgestattet ist. Diese Zünder können schon bei leichter Berührung eines Blindgängers ausgelöst oder, wenn der Zündvorgang unterbrochen war, wieder in Gang gesetzt werden. Für Entschärfer ist es unkalkulierbar, wann er auslöst und die Bombe zur Explosion bringt. Der Zünder besteht aus einem gespannten Schlagbolzen und einem Zelluloidplätchen, dass je nach Dicke innerhalb von wenigen Stunden oder mehreren Tagen von einer Lauge zersetzt wird und dann den Schlagbolzen frei gibt.

Schwierig machte die Entschärfung auch, dass die Schuten, die zum Ausbaggern im Hafen eingesetzt werden, so konzipiert sind, dass man gut Schlick hinein, aber nicht unbedingt mit dem Bagger hinaus bekommt. Der Schlick wird abgesaugt. Die vergangenen Tage wurde Schlick vorsichtig aus der Schute geholt und der Rest der Ladung mit Wasser dünnflüssig gemacht. Teile des Schlicks wurden mit einer Spezialpumpe abgesaugt.

Am Donnerstagnachmittag war der Blindgänger lokalisiert. Dann begann die Bergung aus der schute. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an. 75 Mann waren vor Ort, um die angrenzenden Raffinerien und einen bereits mit Treibstoff beladenen Zug zu schützen. Dann schlug ein Taucher ein Seil an der Bombe an, damit sie aus der Schute gehievt werden konnte. Auf einem Luftkissen, gezogen von einem Schlauchboot mit Außenborder, wurde sie auf der Süderelbe in Richtung Osten geschickt. Die Brücken, die alte Süderelbbrücke, die Brücke des 17. Juni, die Brücke der Stadtautobahn, die Eisenbahnbrücke und schließlich die Autobahnbrücke im Verlauf der A1, mussten dafür kurzfristig gesperrt werden. Um kurz nach 17 Uhr konnten die Sperrungen aufgehoben werden.

Ursprünglich war geplant worden die Bombe ab 16:15 Uhr über die Süderelbe zu ziehen. Weil aber die Bombe noch einmal angehoben werden musste, stoppte der Transport und die Durchfahrt unter den Brücken wurde verzögert. Der S-Bahnverkehr war da bereits unterbrochen worden. Deshalb rollten für gut eine Stunde keine Züge zwischen Wilhelmsburg und Harburg Rathaus. Auch der Fernbahnverkehr und der Metronom waren betroffen.

Die Bombe selbst wurde etwa 500 Meter östlich der Autobahnbrücke entschärft. zv