Von Andreas Göhring
Harburg - Mit der Verwandlung des Designerhotels The Niu Quay im Binnenhafen geht es jetzt ruckzuck. Gestern brachten Möbelwagen neue Betten für die ukrainischen Familien, die hier ab heute wohnen sollen. Dennoch verkündet die Sozialbehörde: „Es handelt sich nicht um einen neuen Standort für eine öffentlich-rechtliche Unterbringung.“ Und genau deshalb habe der Bezirk auch nicht vorher über die Unterbringung der Flüchtlinge informiert werden müssen.
Das klingt nach einem Taschenspielertrick, denn nach Paragraf 28 des Bezirksverwaltungsgesetzes müssen die Fachbehörden bei wichtigen Standortfragen den Bezirk vor der Entscheidung informieren und Gelegenheit zu einer Stellungnahme geben. Diese müsse dann bei der Entscheidung „berücksichtigt“ werden. Deshalb hat die Behörde das Ganze kurzerhand zu einer „zeitlich befristeten Krisenmaßnahme“ erklärt, in der „Hotelplätze in einem laufenden Betrieb“ angemietet werden. Laufender Betrieb? Bis auf Weiteres können die Hotelzimmer jedenfalls nicht mehr gebucht werden.
Ein wenig mehr Klarheit liefert Behördensprecher Wolfgang Arnhold bei der Frage nach der Dauer der „Krisenmaßnahme“: „Fördern & Wohnen hat die 340 Plätze zunächst bis zum 31. Dezember 2026 angemietet.“ Aktuell sei geplant, die Anmietung um wenige Monate über den 31. Dezember 2026 hinaus zu verlängern. Schon ab Januar 2027 solle die Belegung aber schrittweise und zügig reduziert und spätestens bis Ende Juni 2027 vollständig beendet werden.
Auch bei der Höhe der Kosten lichtet sich das Dunkel ein wenig. Arnhold kann nicht bestätigen, dass die Hotelkette für die Zimmer die doppelte Miete kassiert. Konkrete Zahlen dürfe er zum Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen aber nicht nennen. 2025 habe die Stadt im Durchschnitt 82 Euro pro Person und Tag inklusive Cateringversorgung gezahlt. Am Montagabend ergänzte Finanzsenator Andreas Dressel in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses noch: „Nach meiner Erkenntnis liegen die Kosten in diesem Fall sogar unter 82 Euro.“ Allerdings ist zu berücksichtigen, dass in dem Hotel jetzt Zwei- bis Dreibettzimmer eingerichtet werden.
Im Ausschuss war auch zu erfahren, wie dieser Deal mit dem Niu Quay überhaupt zustande gekommen ist: Demnach ist die Hotelkette an den Betreiber Fördern & Wohnen herangetreten und hat ihm die Plätze in dem neuen Hotel angeboten – so wie bei anderen Hamburger Hotels der Kette auch. Offenbar dringt nicht jede Entscheidung der Verwaltung bis zur Behördenspitze durch.
Die Empörung über die neue Nutzung des Hotels ist nach wie vor groß. Antonia Marmon, Chefin von Harburg Marketing sagt: „Für das Quartier Binnenhafen ist das ein Schritt zurück.“ Man habe lange auf das Hotel warten müssen und gehofft, dass es für eine Belebung des Quartiers sorgt. Die hatte Fischhallen-Chef Werner Pfeifer schon gespürt: „Plötzlich lief hier internationales Publikum herum. Das war fast wie auf der Schanze.“
Die Nachbarschaft großer internationaler Firmen wie Becker Marines oder Vossloh, aber auch renommierte Institute wie das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen oder das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrt wären mit Sicherheit Frequenzbringer für das neue Hotel.

