Harburg - Wumms. Harburgs SPD-Establishment ist Geschichte. Auf der Kreisdeligiertenversammlung im Jägerhof fiel die eigentlich fest eingeplante Doppelspitze der Sozialdemokraten,  Ronja Schmager und Sören Schumacher, krachend durch. Neue Chefin ist Oksan Karakus, 48 Jahre alt und Juristin. Karakus, die erst im Mai zur Chefin im Destrikt Harburg-Mitte gewählt worden war,setzte sich mit ihrer "überraschenden" Kandidatur klar gegen Schmager mit 45 zu 25 Stimmen durch. Schumacher war gar nicht mehr angetreten, nachdem schon der Plan, eine Doppelspitze einzuführen, eine Absage erhalten hatte.

Was folgte war ein unwürdiges Schauspiel. Schmager verließ nach ihrer Niederlage die Veranstaltung. Die Kandidaten der unterlegenen Destrikte Harburg Süd und Nord, sowie Neugraben-Fischbek, darunter Claudia Loss, Birgit Rajski oder Natalie Pohlmann, zogen ihre Kandidatur für den Vorstand zurück. Stattdessen wurden Benizar Gündogdu, Frank Wiesner und Arne Thomsen zu Stellvertretern der Kreisvorsitzenden gewählt. Damit hat eines der beiden bereits lange Jahre konkurrierenden Lager bei den Harburger Sozialdemokraten so etwas wie die Alleinherrschaft.

Grund für das Debakel des lange dominierendes SPD-Lagers um Frank Richter: Der Rieckhof. Die Neuvergabe der Trägerschaft des von den Sozialdemokraten vor 38 Jahren initiierten Veranstaltungszentrums, war offenbar mehr als übel aufgestoßen. Schmankerl am Rande. Die Abwahl der Spitzengenossen erfolgte an dem Tag, an dem im Rieckhof das letzte Konzert vor der Übergabe an den neuen Träger stattfand.

Auch die geplante Zusammenlegung von der Drogeneinrichtung Abrigado, Anlaufstelle für Konsumenten harter Drogen, und der Harburger Tafel, Anlaufstelle für Menschen die mit Lebensmitteln unterstützt werden müssen, war an der Basis offenbar mehr als kritisch gesehen worden und hatte für Unmut gesorgt.

Der Austausch der SPD-Spitze könnte auch zum Problem für die bislang, gelinde gesagt "glücklos" wirkende Bezirksamtsleiter Sophie Fredenhagen werden. Die Verwaltung hatte die Neuvergabe der Trägerschaft des Rieckhofs durchgezogen. Die Politik hatte sich durch die Bezirksamtsspitze übergangen gefühlt. Bislang hatte sie die jetzt abgewählte SPD-Spitze gehalten.

Zum Problem können die neuen Machtverhältnisse auch für Frank Richter, Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung, und die Bürgerschaftsabgeordneten werden. Sie werden bei den nächsten Wahlen um ihre Nominierungen bangen müssen.

Schwieriger dürfte es auch für die Grünen werden. - auch wenn die SPD-Fraktion im Harbruger Rathaus noch die alten Machtverhältnisse wiederspiegelt. Denn der Koalitionspartner der SPD im Bezirk gilt als eigentlicher Drahtzieher der Neuvergabe der Trägerschaft des Rieckhofs.

Zumindest Schumacher nahm die Niederlage nach außen gelassen. "Das ist halt so", sagt er. "Das nehme ich professionell." Um seinen Posten als Bürgerschaftsabgeordneter zittert er (noch) nicht. "Bis zur Kandidatenaufstellung vergeht viel Zeit." zv