Drogenszene

Harburg - Streit in der Bezirksversammlung um den Neubau an der Buxtehuder Straße, in dem die Drogeneinrichtung Abrigado, die Harburger Tafel und Sozialwohnungen in einem Komplex untergebracht werden sollen. Ralf-Dieter Fischer, CDU, hält das Konzept für "einen Fehler". "Wer kommt denn auf eine solche Idee", sagte Fischer zu dem Plan. "Da werden Fixer, Bedürftige, die die Harburger Tafel aufsuchen, gemeinsam mit einem Kreis von Wohnungslosen untergebracht. Das ist eine Schnapsidee der Sozialpolitik." Sowohl Abrigado, wie auch die Tafel seien von Anfang an mit dieser Lösung nicht einverstanden gewesen.

Frank Richter, Fraktionsvorsitzender der SPD, sieht das anders. Er setzt auf verschiedene Öffnungszeiten von Tafel und Abrigado, hofft so, dass Drogensüchtige und die oft alten Menschen, die die Tafel brauchen, zusätzlich auch wegen der Zugangssituation, nicht allzu viel miteinander zu tun bekommen. Richter hält die Probleme, die andere durch den ungewöhnlichen Mix der Gruppen befürchten, für "Schreckensbilder". Die Tafel schließt um 14 Uhr. Das Abrigado öffnet um 14.30 Uhr. "Eigentlich gibt es kaum Überschneidungen in der Geschichte", so Richter. Das Wohnungen, für deren Belegung Richter auch zeitgemäß Flüchtlinge ins Spiel bringt, mit in den Komplex kommen, sei einer "Mischfinanzierung" geschuldet, mit der der durch Spenden finanzierte Tafel eine niedrige Miete ermöglicht werde, wie sie sie sonst nirgends bekommen könnte.

In Puncto Wohnungen brachte Brit-Meike Fischer-Pinz einen wichtigen Punkt ein. "Wer soll den bitteschön in die 50 Sozialwohnungen über das Abrigado ziehen mit den Drogen und den Spritzen in unmittelbarer Nähe", fragte Fischer-Pinz. Junge Familien mit Kindern oder Senioren würde es ja wohl nicht sein. Fischer-Pinz erinnerte dafür an frühere Überlegungen, wo es um eine Belegung mit einer "Notschlafstelle" oder "alleinstehende Männer mit voraussichtlich niedrigem Strukturniveau" ging. Strukturniveau beschreibt den Reifegrad der psychischen Funktionen und der Persönlichkeitsstruktur eines Menschen. Ihr Fazist: "Mit so einer Planung laufen wir Gefahr und in Harburg sehenden Auges und politisch geplant den nächsten sozialen Brennpunkt zu schaffen." zv