Wilstorf - Bislang war die Linke in Harburg nicht bekannt dafür, dass sie sich für Parkplätze stark macht. aus den vergangenen Jahren findet sich kein Antrag der Partei, in dem der Abbau von öffentlichen Parkplätzen für private Autos scharf kritisiert oder gar deren Wiederherstellung gefordert wird.

Das ist jetzt anders. In der Drucksache 21-2054 fordern die Linken: "Parken in der Zimmermannstraße wieder ermöglichen". Sie haben das Thema auf die politische Bühne gehoben, nachdem Protest der Anwohner nicht gefruchtet hat. Der Sinneswandel, so amüsieren sich Abgeordnete anderer Parteien, habe etwas mit persönlicher Betroffenheit zu tun. Es geht um den Fraktionsvorsitzenden der Linke, Jörn Lohmann. Er ist Mitnutzer eines Pkw vom Typ  Dacia und wohnt in der Zimmermannstraße.

Die ist mittlerweile auf einer Seite zugepollert. Was seit 1994 erlaubt war, geht seit November vergangenem Jahr nicht mehr: Das Parken auf dem Gehweg. Durchgesetzt hat es ein junger "Aktivist", mit dem Hobby "Falschparker anzeigen", der zwar nicht in der Zimmermannstraße wohnt, aber messerscharf auf die Situation für Fußgänger und Rollstuhlfahrer hingewiesen hat.

Die Linken fahren mittlerweile schweres "Antragsgeschütz" auf. In einem zweiten aktuellen Antrag wird ein Parkraumkonzept für den Bereich Reeseberg gefordert. Dabei wird auf vielerlei Gründe zurückgegriffen. So wird die Situation der "Schichtarbeiter" hingewiesen, die auf ein Privatfahrzeug hingewiesen seien, oder es wird die schlechte Nahverkehrsanbindung, die nächste Bushaltestelle ist rund 400 Meter entfernt und liegt an der Winsener Straße, hingewiesen.

Wirklich helfen dürfte das nicht. Deswegen greift man nach einem anderen Strohhalm. Der Fußweg soll einfach verbreitert werden, um gleichzeitig genug Platz für Fußgänger und Parkplätze zu haben. Die gute Nachricht: Der Eisenbahnbauverein, Eigentümer der meisten Häuser in der Zimmermannstraße, hat Bereitschaft signalisiert. Dort wäre man bereit, ein Stück der Vorgärten abzugeben und die Hecke zu versetzen. Die Kosten, knapp 25.000 Euro, wäre man ebenfalls bereit zu tragen. Zudem müssten alle Mieter zustimmen.

Die schlechte Nachricht: Die Häuser in den Zimmermannstraße, sie stammen aus dem Jahr 1921 und sind die ersten Bauprojekte des Eisenbahnbauvereins gewesen, stehen ebenso unter Denkmalschutz, wie die Vorgärten. Deswegen hat das Denkmalschutzamt sein "Veto" eingelegt. Dort hatte man zunächst eine gewissen Bereitschaft zur Vorgartenverkleinerung signalisiert, dann aber kalte Füße bekommen. Denn so eine Maßnahme wäre ein Präzedenzfall in Hamburg. Dass der zuständige Sachbearbeiter sich für Autofahrer wie Lohmann ins Zeug legt, glauben Insider ohnehin nicht. Der Denkmalschützer, so hieß es, sei leidenschaftlicher Fahrradfahrer.

Zudem steht auch der rot-grüne Senat offensichtlich überhaupt nicht auf private Autos und baut bei vielen sich bietenden Gelegenheiten Parkplätze ab. Ob sich Harburgs Politiker von SPD und Grünen mit einer Entpollerung der Zimmermannstraße gegen diese Linie stellen, ist fraglich.

Lohmann gibt sich kämpferisch. "Wir fordern, dass zusammen mit den Anwohnern eine praktikable Lösung gefunden wird und das gesamte Gebiet Wilstorf-Reeseberg in die Betrachtung einbezogen wird,“ so seine Aussage in der Bezirksversammlung. Die Poller seien "ein Schlag ins Gesicht der Anwohner". Die wollte, so Lohmann, mit großer Mehrheit ihre Parkplätze zurück.

Dass das Engagement der Linken etwas mit persönlicher Betroffenheit zu tun hat, weist der Betroffene zurück. Lohmann sieht vielmehr die Linke als die Partei, die zum Thema Parkplatzabbau in Harburg "eine Debatte angestoßen hat, die längst überfällig war". Man werde sich auch in Zukunft für den Erhalt von Parkplätzen im öffentlichen Raum stark machen. Damit spricht er sogar Ralf-Dieter Fischer, Fraktionschef der CDU aus dem Herzen. "Man kann froh sein, dass die Linke das Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat", so Fischer, um das süffisant zu ergänzen. "Jetzt gibt es auch Zeitenwende bei den Linken." zv