Harburg - Das Gezerre um den Rieckhof geht weiter. Nach einer zweiten Gesprächsrunde zwischen Trägerverein, Geschäftsführer und SPD soll es jetzt ein dritten Treffen geben. Der Plan: Die Kuh vom Eis unter Gesichtswahrung von politisch Involvierten zu bekommen.

Am Ende könnte eine Weiterführung des Rieckhofs durch den Trägerverein stehen. Das funktioniert allerdings nur, wenn sich der Rieckhof zwar konzeptionell nicht ändert, aber deutlich erweitert. Denn die bisherige Führung und das damit verbundene Angebot des Veranstaltungszentrums wird in einigen Kreisen der Politik als zu eingefahren und wenig innovativ, insbesondere in Bezug auf die Nutzung des Ríeckhofs durch neue Zielgruppen gesehen.

Als Verlierer steht bereits die Harburger Verwaltung da. Zwar durfte die am Donnerstagabend im nichtöffentlichen Teil des Kulturausschusses ihren Plan für eine Neuausschreibung vorstellen. Eine Abstimmung, geschweige eine Zustimmung gab es nicht. Stattdessen steht mittlerweile die zuständige Dezernentin Dr. Anke Jobmann im Zentrum der Kritik. Ihr wird angekreidet, dass die Verwaltung den Rauswurf des Trägervereins und eine Neuausrichtung des Veranstaltungszentrums in völliger Eigenregie ohne Beteiligung der Politik durchziehen wollte.

Selbst die CDU, die Jobmann als Dezernentin vorschlug und damit geholt hat, rückt von ihr ab. "Sie hat sich anders entwickelt als gehofft", hieß es aus der Partei. Von dort werden man "auf keinen Fall" eine schützende Hand über sie halten.

Angeschlagen dürfte auch Verwaltungschefin Sophie Fredenhagen sein. Sie ist nicht nur Chefin von Jobmann und damit in der Verantwortung. Sie hatte sich auch aktiv an den Gesprächen mit dem Rieckhof beteiligt, in denen dem Trägerverein und dem Geschäftsführer mitgeteilt wurde, dass der Geldhahn zugedreht werde. Gefährlich dürfte für es nicht werden. Die SPD hatte sie geholt. Eine Schwächung von Fredenhagen, die bislang nicht das Format ihres Vorgängers, der verstorbenen Bezirksamtsleiters Thomas Völsch, hat, noch über dessen Netzwerk in der Hamburger SPD verfügt, könnte der Koalition sogar klammheimliche Freude bereiten. "So wird sie noch williger der Politik gegenüber", sagt ein SPD-Mann.

Genauso dicke ist es, so heißt es unter Genossen, für SPD-Chef Frank Richter gekommen. Der hatte sich vorschnell auf die Seite der Verwaltung geschlagen und muss jetzt sehen, wie er ohne Gesichtsverlust zurückrudern kann und gleichzeitig seinen Koalitionspartner, die Grünen, bei der Stange hält. Denn die gelten in Harburgs politischen Kreisen als eigentlicher Drahtzieher des Kulturfiaskos und stellen sich seitdem mehr oder minder tot, während Richters eigenen Genossen aus Harburg wohl auch aus nostalgischen Gründen am Rieckhof hängen und nicht mit interner Kritik gespart haben sollen.

Gewinner dürfte Sören Schumacher, Bürgerschaftsabgeordneter der SPD aus Marmstorf sein, der mit seiner vermittelnden Rolle bei den Gesprächen zwischen SPD und Rieckhof sich als geschickter und erfahrener Diplomat empfehlen dürfte und seine Stellung in der SPD festigt.

Gewinner könnte auch der Rieckhof sein, dessen Verantwortlichen die Situation als positiven Tritt in den Hintern verstehen könnten und deutlich mehr wahrnehmbaren Elan an den Tag legen und neue, zusätzliche Angebote ins Leben rufen, die die doch etwas in die Jahre gekommene Zielgruppe auffrischen und erweitern.

Ungebrochen ist die Unterstützung für den Rieckhof. Eine ins Leben gerufene Petition (zu erreichen unter http://chng.it/9g2cKXJ5JM) bekam mittlerweile rund 2150 Unterstützer. Auch aus der Kulturszene kommt Beistand. So setzte sich zuletzt "die kleinen bühne Harburg e.V." für die Weiterführung des Rieckhofs in seiner bisherigen Form ein. zv