Harburg - Riesen Zoff bei den Linken. Durch eine Rundmail wurden die Mitglieder der Partei informiert, dass der verbliebene Bezirksvorstand,

Alexandra Maria Grimm, Taras Fillanich und André Lenthe, zurücktritt. Zwei weitere Vorstandsmitglieder hatten schon vorher das Handtuch geworfen.

Hintergrund sind seit Monaten innerhalb der Partei ausgetragene Querelen. Eine besondere Rolle spielt dabei offenbar der Bürgerschaftswahlkampf von Sabine Boeddinghaus. Die Abgeordnete aus Harburg ist Fraktionsvorsitzene der Linken im Hamburger Rathaus. Der Vorwurf: Ihr Bürgerschaftswahlkampf soll teilweise mit Geldern finanziert worden sein, die eigentlich für ein Kinderfest vorgesehen waren.

In einer "persönlichen Erklärung", die Lenthe an Mitglieder verschickte und die harburg-aktuell vorliegt, heißt es: "Das Wahlbüro beschloss, ohne Rücksprache mit den Mitgliedern, der Partei oder dem Vorstand, eine Erhöhung des Wahlkampfbudgets aus den Geldern des Kinderfestes." Konkret soll es um 2000 Euro gehen.

Das hatte der Vorstand "kritisch hinterfragt". Denn nach Ansicht des Vorstandes war das Wahlkampfbüro dazu nicht berechtigt. Dazu Lenthe in seiner persönlichen Erklärung: "Das Wahlbüro ist nur eine Arbeitsgruppe und kein satzungsgemäßes Gremium mit Finanzbefugnis. Diese obliegt alleine der Bezirksmitgliederversammlung als höchstem Gremium und dem Vorstand. Und das Geld aus dem Budget fürs Kinderfest zu nehmen, lehnte der Vorstand mehrheitlich ab."

Boeddinghaus zeigte sich "überrascht" von dem Vorwurf, "weil", so Boeddinghaus, "das Wahlkampfbudget für unseren Bürgerschaftswahlkampf satzungskonform durch unsere Bezirksmitgliederversammlung mit sehr großer Mehrheit beschlossen wurde." Sie verweist auch darauf, dass das Kinderfest, das als die erfolgreichste Veranstaltung der Linken im Bezirk Harburg gilt, wegen Corona abgesagt werden musste.

Spätestens seitdem hängt der Haussegen am Wallgraben, wo die Linken ihr Büro und Boeddinghaus ihr Wahlkreisbüro gemeinsam haben, gehörig schief. Als "Nestbeschmutzer", so der Vorstand, sei man verunglimpft worden. In dem Rücktrittsschreiben an die Mitglieder ist von "Mobbingattacken", "verbalen Entgleisungen" "bis hin zur Gewaltandrohung" die Rede.

Knatsch soll es bereits nach der Vorstandswahl im vergangenen November gegeben haben. Denn die Partei ist offenbar tief gespalten. Lenthe beschreibt die Widersacher des Vorstandes so: Auf der einen Seite die "nicht aus einer politischen Überzeugung, sondern zur Erringung von Positionen und Ämtern oder aus einer persönlichen Betroffenheit heraus" in der Politik sind. Der Vorstand schreibt in seiner Rücktrittsbegründung, man sei der, der die "elitäre Machtpositionen, Einzelgängertum und Machogehabe" aufbrechen wolle.

Das Fazit der Zurückgetretenen: "Die Gräben sind mittlerweile so tief, dass wir nicht glauben sie noch einmal zu schütten zu können." Bereits am kommenden Mittwoch wird ein neuer Vorstand für den Bezirksverband gewählt. zv