Harburg – „Eine Verlängerung der U4 nach Wilhelmsburg ist gegenüber anderen Ausbaupläne

des Schnellbahnnetzes als nachrangig anzusehen.“ Das war im Oktober 2018 das letzte Wort der Hamburger Verkehrsbehörde zu den Rufen aus Harburg und Neugraben, endlich für eine bessere ÖPNV-Anbindung zu sorgen. Dennoch hat sich jetzt die rot-grüne Koalition in der Bezirksversammlung Harburg noch schnell vor  der Bürgerschaftswahl am 23. Februar dazu durchgerungen, ein wenig  lauter zu rufen und mit einem Antrag feststellen zu lassen, dass „ein dringender Bedarf für eine zusätzliche Schienenanbindung des Bezirks an das HVV-Netz besteht“. Immerhin! Außerdem soll sich das Bezirksamt für eine Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der U4 einsetzen.

Das alles kommt einem bekannt vor. 2015 und 2017 hatten die Neuen Liberalen in der Bezirksversammlung drei ähnliche Anträge gestellt. Alle wurden von der damaligen GroKo aus SPD und CDU abgeschmettert.

Im Herbst 2018 schließlich war die GroKo zerbrochen, in der Bezirksversammlung wurde mit wechselnden Mehrheiten gearbeitet – und schon wurde der vierte Antrag der Neuen Liberalen für eine Machbarkeitsstudie beschlossen. Er blieb allerdings weitgehend wirkungslos. Die Stellungnahme der Verkehrsbehörde, in der sie die Wünsche der Harburger für „nachranging“ erklärte, war unmissverständlich.

Trotzdem gibt es jetzt einen neuen Vorstoß, und diesmal ist auch die SPD im Boot. Was hat zu dem Sinneswandel geführt? Der neue Koalitionspartner oder neue Erkenntnisse? „Wir sind ja lernfähig“, sagt SPD-Fraktionschef Frank Richter. „Für uns war ausschlaggebend, dass  der Erste Bürgermeister bei der Vorstellung der Pläne für den Kleinen Grasbrook ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, der Senat habe durchaus Pläne für die Weiterführung der U4.“

Eins muss dabei klar sein: Wer sich angesichts ständiger Ausfälle der S3/31 und der schleppenden Modernisierung des Systems möglichst schnell ein Alternativangebot wünscht, wird wohl enttäuscht werden. Da die Stadt gerade mit S4 und U5 beschäftigt  ist, wird sich in diesem Jahrzehnt auf der Strecke nach Harburg kaum etwas tun. ag