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Harburg - Es war ein Kinderspiel für Politprofi Ralf-Dieter Fischer (CDU) bei der ersten Bezirksversammlung nach

der Unterschrift unter dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grüne einen Keil zwischen den frisch gebackenen Partner zu treiben. Am Ende blieb den Grünen nur noch die Flucht in einen Ausschuss, um die absehbar erste peinliche Abstimmung zu verhindern.

Es ging um den Wald an den Vollhöfener Weiden, den Dr. Gudrun Schittek von den Grünen fälschlicherweise als einzigen Urwald in der Gegend bezeichnet. Die Grünen wollen die Fläche, die als Logistikfläche ausgewiesen ist, behalten. Die hamburghörige SPD dürfte eher auf Behördenlinie sein. Also wurde der Antrag nicht zur Abstimmung zugelassen, sondern in den Fachausschuss überwiesen, wo, so glaubt es Fischer, still und heimlich "begraben" wird.

Vorher hatte Fischer den Koalitionsvertrag wegen seiner überwiegend schwammigen Formulierungen als Pakt mit vielen "Luftblasen" kritisiert, den neuen SPD-Fraktionschef Frank Richter gescholten und ganz gezielt den Grünen geschmeichelt um in die steile These zu gipfeln: "Drei Sitze mehr und wir hätten mit den Grünen koalieren können. Das wäre besser für Harburg gewesen."

In dem Punkt werden sich Richter und Genossen ganz bequem zurücklehnen können. Wenn selbst ein Ralf-Dieter Fischer Schmusekurs mit Grün fährt, werden kaum die eher bodenständigen Wählerschichten zur CDU zurück finden, die, wie man an den blamablen Wahlergebnissen ablesen kann, der Union den Rücken kehrten.

Als bessere Alternative hatte Frank Richter die SPD vorher nicht präsentiert. Schon die Einlassung, dass man Harburg in Koalition mit den Grünen jetzt ganzheitlich planen würde, dürfte nach einem kurzen Nachdenken dem Harburger einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Im Umkehrschluss heißt dass, das die SPD den Jahrzehnten ihrer Regierung, die Harburg ja maßgeblich mit geprägt hat, nie weiter gedacht hat, als bis zum Baustellenzaun.

Am Ende war Fischer der Gewinner, der gegen trotzig, verbissene wirkende Redner wie Claudia Loss (Foto), Frank Richter oder Dr. Gudrun Schittek wie ein Fechtmeister wirkte, der ganz gezielt und nach Belieben mit einem Florett die Piekser setzte.

Dazu wird er in Zukunft sicher reichlich Gelegenheit haben. Denn Grüne und SPD sind sicher weiter auseinander, als der vertraute Duz-Umgang unter den Koalitionspartnern zur Schau stellt. Man muss sich nichts vormachen: Das, was Klimawende genannt wird, zielt darauf ab, einige Bereiche so teuer zu machen, dass es sich die Menschen nicht mehr leisten können.

Das wird zunächst die unteren Einkommensschichten treffen, die sicher schon aus reiner Selbsterhaltung ein begrenztes Verständnis für diesen Weg haben werden. Da sind die Grünen ganz anders gestrickt, die ihre Wählerschaft eher aus einem gut versorgten Bürgertum oder dem lässigen Nachwuchs aus gutem Hause frequentiert, das die finanziellen Ressourcen hat, um ein "guter Mensch" zu sein, ohne sich großartig einschränken zu müssen und den Schüleraustausch des Nachwuchses Richtung USA oder China weiter pflegen kann. So sind Interessenskonflikte vorprogrammiert.

Es dürfte amüsant werden. Bei den Harburgern ist das noch nicht so aufgenommen worden. Zum ersten politischen Schlagabtausch waren drei Zuschauer ins Harburger Rathaus gekommen. zv