Moorburg –  Heute, am 27. August 2019, sind viele Moorburger und Wilhelmsburger in Gedanken in der Hamburger Innenstadt, genauer: im

Herrengraben, Hausnummer 4. Dort, im Gebäude der Katholischen Akademie, werden mehr als 1300 Einwendungen gegen den ersten Bauabschnitt der geplante A26-Ost verhandelt. Die nicht öffentliche „Erörterung“ ist Teil des Planfeststellungsverfahren.

Die A26-Ost soll die A7 mit der A1 verbinden. Für die knapp 9,7 Kilometer lange Autobahn, die einen Bogen um Moorburg macht, die Süderelbe auf einer Hochbrücke überquert und sich unter auf 390 Metern Länge unter einem Deckel durch ein Wohngebiet der A1 nähert, um schließlich in Höhe der Anschlussstelle Stillhorn zu enden, wurden schon 2014 rund 900 Millionen Euro Baukosten veranschlagt.

Gerade für den Bereich Harburg sehen Experten deutliche Vorteile. Dazu gehört auch die "Entlastung innerstädtischer Quartiere von Verkehr und damit Lärm-. und Schadstoffimissionen". Stark entlastet werden dürfte dadurch die die B73 und die Seehafenstraße und damit auch der anschließende Harburger Binnenhafen.

Je näher der mögliche Baubeginn rückt, desto größer wird die Kritik. Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen war man sich noch 2015 einig: Die A26-Ost kommt – vorbehaltlich der Zustimmung und Finanzierung durch den Bund. Daran fühlen sich zumindest die Grünen nicht mehr so ganz gebunden. Nach klarer Kante sehen den Formulierungen allerdings nicht aus: Der Kreisvorstand der Harburger Grünen hatte in einem Antrag  den Landesausschuss am 13. August gefordert, die „unzeitgemäße Planung der Stadtautobahn A26-Ost auf den Prüfstand zu stellen und deren Realisierung zu stoppen“.

Doch das passte den Granden der Landes-Grünen nicht in den Plan. Die Harburger mussten ihren Antrag zurückziehen, statt dessen wurde jetzt dies beschlossen: „Angesichts der Abgängigkeit der Köhlbrandbrücke und der ungeklärten Finanzierungssituation für eine Ersatzlösung fordern wir eine Überprüfung der Planungen für eine Köhlbrandquerung. Diese muss einen kritischen Blick auf die bisherige Konzeption der A 26 Ost beinhalten, da die praktisch zeitgleiche Realisierung zweier Straßenquerungen der Süderelbe in Zeiten der Verkehrswende weder verkehrspolitisch sinnvoll noch finanziell darstellbar erscheint. Ökologische Verkehrsträger sollen dabei eine wichtige Rolle einnehmen.“

Der NABU Hamburg muss auf keinen Koalitionspartner Rücksicht nehmen. So kann Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik des Naturschutzbunds, glaubt: „Die A 26-Ost ist ein antiquiertes Autobahnvorhaben im Hamburger Hafen. Einst träumte man von  18 Millionen Containern, heute sind es aber weniger als die Hälfte. Und angesichts von Digitalisierung, 3D-Druck und autonomen Fahren werden die erträumten Umschläge nie erreicht.“ Die Politik wolle trotzdem bauen. In Zeiten von Debatten um den Verlust von Biodiversität oder Klimakrise wirkten Planungen, besonders solche ohne echten Bedarf, aus der Zeit gefallen. Siegert: „Vielleicht ist die Gesellschaft schneller als statische Politik. Schön wäre es.“ ag/zv