Neugraben - Wenn man nicht mehr zumindest zu 51 Prozent hinter dem Kurs seiner Partei steht, sollte man Konsequenzen ziehen. Das sagt Meik Brand,

ehemaliger Vorsitzender im SPD-Distrikt Neugraben. Er tut es nicht. Deshalb hab er die Konsequenzen gezogen und ist aus der Partei ausgetreten. "Im Guten", wie Brand sagt. Gerüchten, dass er den Grünen beitreten wolle, erteilte er eine Absage. "Bestimmt nicht", sagt er.

Der 45-Jährige betont auch, dass es die Bundespolitik und nur die Bezirkspolitik war, die ihn zum Austritt bewogen hat. "Hier im Bezirk Harburg hat die SPD einen tollen Job gemacht", sagt er. In Berlin nicht - und das in seinen Augen bei existenziellen Dingen. Brand, Familienvater und Experte im EDV-Bereich, der Künstliche Intelligenz in Unternehmen einführt, sieht angesichts der aktuellen Politik nicht, wie beispielsweise Altersvorsorge als elementarer Pfeiler dieser Gesellschaft in Zukunft funktionieren soll.

Auch in anderen Bereichen findet er mit dem Kurs der Parteispitze zu wenig Übereinstimmung. Man habe sich als SPD zu sehr auf kleine Randgruppen der Gesellschaft konzentriert. Die "alleinerziehende Krankenschwester", jahrelang viel benanntes Ziel des sozialpolitischen Wirkens in seiner Partei, habe am Ende nicht profitiert. "Wenn man sich anschauen würde, was sich für sie verbessert hat, wird es kaum etwas sein", sagt er.

Zu weit weg von der Realität seien ihm zudem viele Spitzenpolitiker. Er schaue sich Lebensläufe an und schätze, wenn Politiker tatsächlich mal einer normalen Tätigkeit nachgegangen seien. Er schätzte auch SPD-Legenden wie Willy Brandt, Gerhard Schröder oder Helmut Schmidt, einem Typus, den man heute vergeblich in der Spitze suchen würde.

Das Brand, der seit 2002 in der SPD war, jetzt das Parteibuch ins Korn wirft, hat einen Grund. Er wäre ein Kandidat für die Bürgerschaftswahl gewesen. "Dann muss man voll dahinter stehen", sagt er. Das tat er nicht mehr. Wohin die Reise der Sozialdemokraten in Berlin gehen werde, sei für ihn nicht absehbar. Deswegen sei es der richtige Zeitpunkt für Konsequenzen gewesen.

Was kommt? Das ist für ihn offen. "Ich in ein durch und durch politischer Mensch", sagt er über sich, was die Sache nicht einfacher macht. Denn eine andere Partei sei keine Option.  Engagement kann er sich vorstellen. Beispielsweise für Round Table.

Der SPD in Neugraben wird er verbunden bleiben und auch beim SPD-Flohmarkt am Sonntag, den er mit organisiert hat, dabei sein. "Ich habe dort mit tollen Leuten zusammengearbeitet", sagt Brand über seine Genossen aus Süderelbe. Er hat dem Distrikt auch den Sprung in die Gegenwart ermöglicht, indem er die Digitalisierung so weit voran brachte, dass man papierlos arbeitet, oder die Zusammenarbeit von alten und neuen Genossen, die in der Regel völlig verschieden sozialisiert seien, forcierte und einen respektvollen Umgangsstil erreicht.

"Wir haben seine Entscheidung bedauert, aber respektiert", sagt Henning Reh, der mit Holger Böhm den Distrikt Neugraben erst einmal kommissarisch weiter leitet. Vor dem Austritt habe es viele, lange Gespräche gegeben, in denen Meik Brand seine Position dargelegt habe. So war sein Austritt zumindest dort nicht so ganz überraschend. zv