Harburg – SPD und CDU haben bei der Europawahl in den 148 Harburger Wahllokalen zum Teil dramatische Verluste eingefahren. Die SPD,

2014 mit 38,6 Prozent noch klarer Sieger, rutschte auf 22,5 Prozent, die CDU von 26,6 auf 18,4 Prozent. Die  Grünen, die traditionell in den beiden Hamburger Randbezirken Bergedorf und Harburg eher schwach sind, verdoppelten ihren Stimmenanteil nahezu, schnellten von 12,7 auf 24,7 Prozent und waren damit stärkste Partei im Bezirk. Gewählt hat im Bezirk Harburg nur etwa jeder zweite Berechtigte. Die Wahlbeteiligung war mit 54,8 Prozent unterdurchschnittlich.

Gewinnen konnten im Bezirk Harburg auch AfD (von 7,6 auf 10,0 Prozent), die damit hamburgweit ihr stärkstes Ergebnis holte, und FDP (von 2,5 auf 5,0 Prozent). Die Linke fiel dagegen von 8,0 auf 6,6 Prozent. Mit 0,3 Prozent spielten die Neuen Liberalen – zumindest bei der Europawahl – überhaupt keine Rolle.

In den einzelnen Stadtteilen holten die Grünen im Stadtteil Harburg ihr bestes Ergebnis mit 29,9 Prozent. Es ist das stärkste Einzelergebnis in den Stadtteilen überhaupt. Die SPD holte ihr bestes Ergebnis mit 26,9 Prozent im kleinen Stadtteil Langenbek. Die CDU ist in Marmstorf mit 23,6 Prozent gleichauf mit der SPD. beide wurden aber von den Grünen überholt. 24,1 Prozent holte die CDU in den Stadtteilen Moorburg, Altenwerder, Francop, Neuenfelde, und Cranz, die vom Statistikamt Nord im vorläufigen Ergebnis, wie Neuland und Gut Moor, zusammengefasst wurden. Tatsächlich dürften in den zusammengefassten Stadtteilen die Unterschiede teilweise deutlich sein.

Was diese Ergebnisse nun für die Wahl zur Bezirkswahl bedeuten, wird sich frühestens erst heute, Montag, im Lauf des Nachmittags zeigen. Die Stimmzettel für diese Wahl werden erst heute ausgezählt. Es gibt allerdings zumindest ein Indiz, das Frank Richter und Uwe Schneider, den Kreisvorsitzenden von SPD und CDU, nicht gerade eine ruhige Nacht beschert haben dürfte. Bei der Bezirkswahl 2014, die auch zusammen mit der Europawahl stattfand, gab es bei den Ergebnissen für Bezirk und Europa kaum nennenswerte Unterschiede. SPD, Grüne, Linke und FDP waren im Bezirk zwar etwas stärker, aber nur ein bis gut zwei Prozent, die CDU erzielte nahezu das gleiche Ergebnis, die AfD fiel dagegen  im Vergleich zum Europaergebnis ein wenig ab.

Angenommen, das Ergebnis ist diesmal ähnlich ausgefallen, wäre eine GroKo wohl nicht mehr möglich, die SPD könnte sich einen Koalitionspartner nicht wie beim letzten Mal noch aussuchen, sie müsste sich wie in der Bürgerschaft mit den Grünen zusammentun, möglicherweise als Juniorpartner.
Rein theoretisch wären auch eine Jamaika-Koalition (CDU. FDP, Grüne), eine Ampel-Koalition (SPD, FDP, Grüne) oder RotRotGrün (SPD, Linke, Grüne) möglich – bei allen Möglichkeiten wären die Grünen im Spiel. Allerdings sollen die Grünen und ihre bisherige Fraktionsvorsitzende Britta Herrmann durchaus auch Gefallen an wechselnden Mehrheiten gefunden haben. Die sind seit dem Bruch der Harburger GroKo im Herbst 2018 schon mal ausgiebig getestet worden. ag

  SPD CDU GRÜNE Linke AfD FDP
Harburg 17,4 10,1 29,9 9,9 8,2 4,3
Neuland/Gut Moor 23,0 21,0 17,9 5,7 13,0 6,9
Wilstorf 25,0 15,7 23,2 7,6 11,4 4,1
Rönneburg 22,2 20,4 24,7 5,2 9,7 5,5
Langenbek 26,9 22,3 19,1 4,2 12,3 5,7
Sinstorf 23,4 21,8 22,8 5,5 9,8 4,2
Marmstorf 23,6 23,6 24,3 4,7 8,5 5,7
Eißendorf 22,5 19,0 24,6 6,1 9,6 5,5
Heimfeld 20,6 15,0 28,7 7,7 7,4 5,0
Moorburg/Altenwerder
Cranz/Francop
Neuenfelde
19,4 24,1 21,1 6,5 8,8 5,7
Hausbruch 24,5 20,8 19,5 6,1 12,7 5,1
Neugraben-Fischbek 23,8 20,5 21,8 5,7 11,4 4,9