Harburg – Nein, es sei keine Kandidatur gegen Jürgen Heimath gewesen, beteuerte der ehemalige Neuländer SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Frank Wiesner

nach der Kandidatenaufstellung im Wahlkreis „Harburg 1“. Dass er überhaupt antrat, hatte so manchen Genossen im SPD-Distrikt Harburg-Mitte in mittelschwere Aufregung versetzt. Der Schreck der letzten Kandidatenkür vor fünf Jahren war noch nicht vergessen.

Damals hatte sich Martin Semir Çelik mit der Hilfe einiger Neumitglieder, die sich später nie wieder sehen ließen, gegen Heimath durchgesetzt und den sicheren Listenplatz eins ergattert. Das kam einer Majestätsbeleidigung gleich, immerhin ist der ehemalige Kripobeamte Heimath seit 2001 Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung. Er ist kein Charismatiker, aber er versteht das politische Handwerk, ist bestens vernetzt und versteht sich auch gut mit dem „natürlichen“ Feind eines jeden Harburger Sozialdemokraten, mit CDU-Mann Ralf-Dieter Fischer.

Der Bruch der GroKo im Sommer 2018 hatte Heimath spürbar zugesetzt, er hatte bis zuletzt versucht, das Bündnis zu retten, das in erster Linie ein Bündnis gegen die Harburger Grünen war, die Heimath für wenig zuverlässig hielt. Gescheitert war die Koalition schließlich vordergründig an der Personalie Sophie Fredenhagen, de facto aber an der tiefen gegenseitigen Abneigung, die die beiden Kreisvorsitzenden Frank Richter (SPD) und Uwe Schneider (CDU) nicht verbergen konnten.

Çelik war im Vergleich zu Heimath aber politisch ein unbeschriebenes Blatt, allenfalls als Geschäftsführer eines türkischen Hochzeitssalon hatte er sich einen Namen gemacht. Trotzdem hatte er sich zumindest im Wahlkreis gegen Heimath durchgesetzt. Dieser schaffte es dann mit Platz eins auf der Bezirkswahlliste in die Bezirksversammlung und blieb Fraktionschef. Çelik blieb dagegen farblos.

Nun hatte Heimath also wieder einen Gegenkandidaten, dazu noch einen Hochkaräter mit Bürgerschaftserfahrung und als studierter Verkehrsplaner. In den Augen vieler Genossen hat er allerdings einen entscheidenden Nachteil: Er gehört zu den „Fußtruppen“! Sein politische Heimat ist der SPD-Distrikt Harburg-Ost, und dort regiert „Oberst Drahtzieher“ Torsten Fuß, der seit Jahrzehnten von sich behauptet, jede „gewünschte Mehrheit“organisieren zu können. Das mag einige Male geglückt sein, zuletzt musste er häufiger mal einsehen, dass seine Macht eher Wunschdenken ist.

Wurde Frank Wiesner also von seinem Distriktsvorsitzenden instrumentalisiert, um Heimath und auch dem Kreisvorsitzenden zu ärgern? „Nein“, sagt Wiesner. „Ich möchte gerne wieder wie Jürgen Heimath auch ein politisches Mandat in der Harburger Bezirksversammlung erringen. Dafür ist ein Platz eins in einem Wahlkreis eine gute Ausgangsbasis.“

Letztlich hat sich Heimath deutlich gegen Wiesner durchgesetzt. Auf Platz zwei wurde die Kriminologin Oksan Karakus nominiert. Ihr folgen auf den nächsten Plätzen der Tischler Gunter Dörsam, die Wirtschaftsfachwirtin Nicole Katrin Behrendt gewählt und der Softwarearchitekt Christoph Holzer. Die Liste schließt auf Platz sechs  Frank Wiesner. ag