Gruenkohl

Rönneburg – Es liegt ein Hauch von Volkspartei und Kohlwurst über dem Rönneburger Hof, wenn Rainer Bliefernicht und sein CDU-Ortsverband Harburg-Süd

zum jährlichen Grünkohlessen rufen. Der große Saal ist immer bis auf den letzten Platz besetzt, Harburgs Honoratioren von Handwerk, Gilde, Kaninchenzüchtern, Gesangs- und Kleingartenvereinen sind wohl komplett versammelt, und diesmal – so kalauerte Bliefernicht – habe er „sogar unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel absagen müssen“.

Das klang fast ein wenig glaubhaft, denn die Marmstorfer CDU und ihr Vorsitzender, der bei den Wahlen zur Bezirksversammlung seit der Einführung des neuen Wahlrechts immer wieder mit herausragenden Persönlichkeits-Stimmergebnissen glänzt, schrecken vor nichts zurück – auch nicht vor großen Namen. 2012 war immerhin der langjährige Bundestagsabgeordnete und Talkshow-Dauergast Wolfgang Bosbach zu Gast bei „Politik trifft Grünkohl“.

Vor dem ersten Stich in die Kohlwurst sollte sich das CDU-Volk – darunter wie jedes Jahr als ehemaliger Marmstorfer Schützenkönig auch Genosse Horst Krämer mit Gemahlin Dagmar – noch eine Weile gedulden, als Hauptredner war CDU-Bürgerschaftsfraktionschef und Vielleicht-doch-noch-Bürgermeister-Kandidat André Trepoll angekündigt. Aber auch der musste warten, weil Bliefernicht zuvor wie gewohnt ein paar Bemerkungen zur aktuellen politischen Lage loswerden wollte. Auffallend dabei: Den klassischen CDU-Kontrapart, die SPD, erwähnte Bliefernicht nur einmal kurz, die Grünen sind offenbar die neuen Gegner: „Wenn wir jetzt im Herbst das Laub zusammenharken, müssen wir uns für einen Euro einen Laubsack holen. Der ist aus Plastik – und das bei einem grünen Umweltsenator.“

André Trepoll stellte schließlich fest, dass zurzeit „ordentlich Leben in der Bude ist“. Und das nicht nur auf das Volk im großen Saal bezogen, er meinte auch seine Partei nach dem angekündigten Rückzug von Angela Merkel. Trepoll warnte davor, sich von den  immer stärker gewordenen politischen Rändern rechts und links die Debattenthemen diktieren zu lassen: „Wir müssen stattdessen versuchen, sie in die politische Mitte zu integrieren.“

Die Menschen interessiere das berufliche Schicksal von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen kaum, vor allem verstünden sie es nicht, warum die Bundesrepublik wegen so einer Personalie an den Rand einer Krise gerate. Trepoll: „Die Menschen interessiert viel mehr, wie sie morgens noch pünktlich zur Arbeit kommen, ob sie ihre Wohnung auch in Zukunft noch bezahlen können und warum sie so lange auf einen Termin beim Facharzt warten müssen.“
Im Übrigen sei Grünkohl sehr gesund und er mache schön! Und los ging’s! ag