Rathaus

Harburg – Jetzt soll es plötzlich ganz schnell gehen: Auf Antrag der SPD ist für Donnerstag, 6. September, 19 Uhr,

eine öffentliche Sondersitzung der Bezirksversammlung im großen Saal des Harburger Rathauses angesetzt worden. Einziger Tagesordnungspunkt: die Wahl einer neuen Bezirksamtsleiterin.

Nur vier Tage nach dem Aus der großen Koalition hatte sich die SPD-Spitze mit Vertretern der Grünen und der Linken getroffen. Dabei soll man sich schnell auf eine Wahl der ehemaligen Harburger Jugendamtsleiterin Sophie Fredenhagen verständigt haben. An ihrer Kandidatur war die GroKo neun Monate vor Ende der Legislatur zerbrochen. Die CDU hält Fredenhagen für nicht geeignet, Kreischef Uwe Schneider hatte sogar gesagt, mir dem Veto gegen diese Kandidatin wolle die CDU „Schaden von Harburg wenden“.

Welchen politischen Preis die SPD für die zweimal je fünf Stimmen von Grünen und Linken zahlen muss, ist noch nicht bekannt. Die Öffentlichkeit soll voraussichtlich Ende der Woche darüber informiert werden, bis dahin will man Details klären. Bei den Gesprächen soll eine freundliche Atmosphäre geherrscht haben. „Kein Wunder“, sagt Linken-Fraktionschef Jörn Lohmann. „Wir kennen uns ja alle gut.“ Auch SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath ist zuversichtlich: „Wir haben vernünftige Gespräche geführt.“

Als erster Bezirkspolitiker reagierte Kay Wolkau, Fraktionsvorsitzender der Neuen Liberalen, auf seinem privaten Facebook-Account:  „SPD-Schnellschuss zur Bezirksamtsleiter-Wahl. Geht die Machtpolitik trotz GroKo-Ende weiter?“ Offenbar hat die SPD außer mit den Grünen und mit den Linken mit keinen weiteren Abgeordneten der Opposition gesprochen.

Vor Ansetzung der Sondersitzung hatte sich schon der FDP-Abgeordnete Carsten Schuster zur Lage geäußert: „Man kann es drehen und wenden wie man will: Die peinlichen und beschämenden Diskussionen der letzten Monate haben dazu geführt, dass alle Kandidaten – auch Frau Fredenhagen – beschädigt worden sind.“ Es werde höchste Zeit, dass die Handelnden mal wieder an die Harburger Bürger denken.

Die CDU-Spitze will Mittwoch über das weitere Vorgehen beraten. Kreischef Uwe Schneider weist allerdings vorsorglich schon darauf hin, dass seiner Meinung nach die Einladung „verfristet“ ist. Zu einer Sondersitzung müsse zehn Tage vorher eingeladen werden, in diesem Fall seien es aber nur neun Tage. Jetzt überlege die CDU, ob sie Einspruch einlegen will. ag