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Harburg - "Ich stehe für den Posten des Bezirksamtsleiters zur Verfügung." Klaus Thorwarth, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht

in Hamburg, bestätigt auf Nachfrage, dass er die Nachfolge des verstorbenen Bezirksamtsleiters Thomas Völsch übernimmt - wenn ihn die Politik will. Das Angebot kommt für viele überraschend. Eigentlich ist die Ausschreibung für den Posten bereits beendet. Das Gerangel nicht. Die bislang offizielle Favoritin der SPD, Sophie Fredenhagen, ist hoch umstritten. Selbst aus den Reihen der Genossen heißt es, die ehemalige Sozialdezernent des Harburger Bezirksamtes, die nach Buxtehude wechselte, dort aber die Probezeit nicht überstand, habe bei der Präsentation ihrer Person bei den Fraktionen eine mehr als unglückliche Figur abgegeben. Aus den Reihen der SPD selbst wurde Thorwarth ins Spiel gebracht und "angestupst".

Warum lässt er sich erst jetzt "bitten"? "Ich war beruflich extrem eingespannt", sagt Thorwarth. Er war für den Bereich zuständig, in dem über Flüchtlinge aus Syrien entschieden wird. In einer Krisensituation den Posten zu verlassen, das wäre nicht seine Sache. Mittlerweile hat sich die Situation deutlich entspannt.

Für die SPD könnte Thorwarth der Königsweg werden. Für Fredenhagen hatte laut SPD gesprochen, dass ihre Harburg-Kenntnis den Ausschlag für sie gegeben hätte. Die wird durch ihren Posten als Leiterin des Fachamtes Jugend- und Familienhilfe definiert, den sie bis 2017 für zehn Jahre inne hatte. Als sie sich für die Nachfolge von Holger Stuhlmann als Sozialdezernentin bewarb, scheiterte sie. Der Bezirk Harburg ist und war ansonsten nicht ihr Lebensmittelpunkt. Sie wohnt nördlich der Elbe.

Anders sieht es bei Klaus Thorwarth aus. Er bringt Harburg-Kenntnis auf einer deutlich breiteren Ebene mit. Er ist geborener Harburger. Zudem lebt Thorwart mit seiner Familie im Bezirk. Er ist Marmstorfer. In der Politik ist er bekannt. Thorwarth hat das SPD-Parteibuch. Im Kreis Harburg gilt er bei den Genossen als "Urgestein".

Beruflich ist Thorwath breit aufgestellt. In seiner Karriere als Richter, die 1992 begann, war er unter anderem für Baulandsachen zuständig. Darüber hinaus ist er seit rund 15 Jahren Lehrbeauftragter an der Akademie der Immobilienwirtschaft mit Schwerpunkt "öffentliches Baurecht". Damit hat er Kompetenz auf einem Gebiet, das eines, wenn nicht das wichtigste auf Bezirksebene ist. Denn die Entscheidungen für Bauprojekte fallen in der Regel um Gegensatz zu vielen anderen Themen im Bezirk. Thorwarth leitete den Arbeitsstab für den zweiten Parlamentarischen Untersuchungsausschuss "Elbphilharmonie". Er war mehrere Jahre Lehrbeauftragter an der Uni Hamburg und der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung, oder ist, jetzt mal etwas ganz anderes, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder in einem Seefahrtsverein.

Formal hat Thorwarth echte Chancen Bezirksamtsleiter zu werden. Zwar ist das Bewerbungsverfahren im Rahmen der Ausschreibung beendet. Die Bezirksversammlung kann das Ausschreibungsverfahren aber beenden und über den politischen Willen einen Bezirksamtsleiter wählen. Das war ursprünglich geplant. Es fand sich aber zum Zeitpunkt der Suche keine geeignete Person. Intern war kommuniziert worden, dass einige potenziellen Kandidaten abgewinkt hätten. Dazu muss man wissen, dass der Posten des Bezirksamtsleiters nicht nur zeitlich begrenzt, sondern auch ein "Schleudersitz" ist, der von politischen Mehrheiten abhängt. zv