Rathaus

Harburg – Langsam wird es peinlich: Morgen tritt die Bezirksversammlung zu ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammen und außer

der Bürgerfragestunde und eine paar dringenden Haushaltsbeschlüssen gibt es nur noch einen Tagesordnungspunkt: die Wahl einer neuen Bezirksamtsleiterin oder eines neuen Bezirksamtsleiters. Aber die SPD hat zwei Tage vor der Wahl immer noch nicht offiziell bekanntgegeben, wen sie als Nachfolgerin oder Nachfolger von Thomas Völsch vorschlägt. Diese Geheimniskrämerei muss einen Grund haben! Und das klingt nicht gut, denn es geht nicht um irgendein Amt.

Auch wenn dies offiziell nicht bestätigt worden ist, hat sich die SPD wohl für die ehemalige Harburger Jugendamtsleiterin und aktuelle Buxtehuder Sozialdezernentin Sophie Fredenhagen entschieden. Sie war früher einmal SPD-Mitglied, hat die Partei aber verlassen, weil sie der Meinung war, höhere Verwaltungsbeamte sollten politisch neutral sein. So wird jedenfalls erzählt.

Nun ist es allerdings auch kein Geheimnis, dass die CDU-Spitze Fredenhagen für „unfähig“ hält. Das hat sie öffentlich bisher so hart nicht formuliert, in vertraulichen Gesprächen sind Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer und Kreisvorsitzender Uwe Schneider weniger zurückhaltend. Bei Fischer überrascht das nicht. Seit der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust ihn Ende 2004 aufgefordert hatte, als Bezirksamtsleiter in Harburg zu kandidieren, hält sich der Anwalt aus Neugraben nicht nur für „dauerministrabel“, er macht auch immer wieder deutlich, dass kein Harburger Dezernent oder Amtsleiter seinen Ansprüchen genügt – es sei denn, er selbst hat ihn oder sie wie Sozialdezernentin Antje Jobmann zu einer Bewerbung ermuntert.

Die SPD will also Fredenhagen, die CDU nicht. Es ist auch bekannt, dass der Koalitionsausschuss in den letzten Tagen mehrfach getagt hat. Das tut er immer dann, wenn sich unterschiedliche Position zu einer Gefahr für die GroKo entwickeln. In diesem Ausschuss kommen die  Granden von SPD und CDU zusammen. Obwohl die Treffen vertraulich sind, drang die Kunde von einem lautstarken Streit zwischen den beiden Kreisvorsitzenden Frank Richter (SPD) und Uwe Schneider (CDU) nach draußen. Und dass der langjährige frühere SPD-Kreisvorsitzende Harald Muras schlichtend eingegriffen haben soll. Von Muras wird aber auch die Aussage kolportiert: „Wenn Fredenhagen nicht gewählt wird, platzt die Koalition.“ Und genau das bestreitet die CDU vehement. Fischer und Schneider haben in den letzten Wochen immer wieder erklärt: „Egal, was passiert. Die GroKo bleibt.“ Wie das gehen soll, ist zwei Tage vor der Wahl noch nicht ganz klar.

Gewählt  ist die Person, die mindestens 26 der insgesamt 51 Stimmen bekommt. Die SPD hat 19 Sitze, die CDU 14, die Grünen 5, die Linke 5, die AfD 3, die FDP 2 und die Neuen Liberalen haben 3 Sitze. Rein theoretisch könnten die Grünen und die Linken der Wunschkandidatin der SPD eine Mehrheit sichern.

In den letzten Tagen war auch immer wieder von einer Verschiebung der Wahl zu hören. Die Frage ist nur, was das bringen soll. Es wäre wohl auch das Eingeständnis, dass man mit der gesamten Bewerberlage nicht besonders glücklich ist.
Übrigens: Auch die Oppositionsfraktionen und die beiden FDP-Bezirksabgeordneten wussten noch nicht, über wen sie denn nun morgen abstimmen sollen. Und ob es überhaupt zu einer Abstimmung kommt. ag