Harburg – Götterdämmerung in der Harburger CDU? Wenige Tage vor dem 70. Geburtstag des langjährigen Kreisvorsitzenden Ralf-Dieter Fischer am

12. Mai mehren sich die Hinweise darauf, dass er bei den kommenden Vorstandswahlen Anfang Juni nicht mehr antritt. Einen Nachfolger soll Fischer auch schon auserkoren haben, nämlich den stellvertretenden Kreisvorsitzenden Uwe Schneider. Offiziell bestätigt wird das noch nicht, aber aus CDU-Kreisen war zu hören, dass sich ein Besuch der monatlichen Pressekonferenz der Bezirksfraktion am kommenden Mittwoch „ganz besonders lohnen“ werde.

Ein Jahr nachdem Angela Merkel im April 2000 den CDU-Bundesvorsitz übernommen hatte, wurde Fischer Harburger Kreisvorsitzender und blieb es bis heute. Spötter – auch parteiinterne – nennen ihn deshalb auch „Die Raute von Harburg“. Das ficht den ehemaligen Bürgerschaftsabgeordneten aber nicht an. Seit er 2004 auch zum Fraktionschef in der Bezirksversammlung gewählt wurde, kann er schalten und walten wie er  will. Sein rhetorisches Talent, sein strategisches Geschick, gepaart mit viel Erfahrung machten ihn fast unangreifbar. Gegen Widerstände aus der eigenen Partei setzte er 2004 zunächst die Koalition mit der GAL (heute: die Grünen) durch. Und nur Fischer konnte es später schaffen, als Juniorpartner in der GroKo der einflussreichste Politiker im Bezirk zu werden und das Profil der SPD nachhaltig zu schleifen.

Kritiker – vor allem aus dem CDU-Ortsverband Harburg-Mitte – werfen Fischer vor, gleichzeitig die Parteiarbeit vernachlässigt zu haben. Für Außenstehende ist das kaum zu beurteilen, immerhin verrät aber ein Blick auf die Homepage des CDU-Kreisverbands, dass es da einigen Nachholbedarf gibt. Der aktuellste Termin, der dort genannt wird, ist die parlamentarische Sommerpause im August 2017.

Der Blick auf die Galerie des CDU-Kreisvorstands verrät Nachholbedarf an anderer Stelle: Wie beim Pressefoto der Führungsmannschaft von Horst Seehofers Innenministerium sieht man nur Männer. Auch im CDU-Kreisverband Harburg haben Frauen offenbar nichts zu sagen.

Das könnte sich ändern. Sollte Fischer tatsächlich nicht mehr als Kreisvorsitzender antreten und Uwe Schneider sein Nachfolger werden, müsste neben Rainer Bliefernicht mindestens ein weiterer Stellvertreter gewählt werden. Möglich sind nach neuester CDU-Landessatzung sogar insgesamt drei Stellvertreter. Oder eben Stellvertreterinnen.

Logische Kandidatin wäre die stellvertretende Landesvorsitzende Birgit Stöver, sie ist zugleich Chefin des mit Abstand mitgliederstärksten CDU-Ortsverbands im Bezirk Harburg – für Fischer aber eine persona non grata. Seine Abneigung gegen die Parteifreundin basiert auf einer jahrzehntelangen Fehde Fischers gegen die Familie Stöver – ausgelöst unter anderem durch eine erfolgreiche Kampfkandidatur von Birgits Mutter Helga Stöver gegen Fischer um Platz eins der CDU-Bezirksliste im Jahr 2001.

Oder hat Fischer längst eine andere Stellvertreterin des designierten neuen Vorsitzenden Uwe Schneider im Auge? Soll seine Tochter, die Bezirksabgeordnete Brit-Meike Fischer einspringen? Noch spielen die Fischers mit verdeckten Karten. ag