Harburg - Ein Grab als Fenster zum Leben: Die Welt der alten Griechen neu entdeckt - Schönheit, Lebensfreude, Geist und die Lust zum Risiko. Das Fresko „Der Taucher von Paestum“ stellte die Archäologen lange vor ein Rätsel.

Im Speicher am Kaufhauskanal präsentiert Prof. Dr. Tonio Hölscher, Prof.em. der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, und einer der weltweit angesehensten Altertumsforscher, sein neues Buch „Der Taucher von Paestum“ im Rahmen eines bebilderten Vortrags. Der Vortrag am Mittwoch, 16. November, beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Jeder, der schon einmal aus größerer Höhe in ein Schwimmbecken gesprungen ist, kennt das Gefühl, auf dem Brett zu stehen und dann sekundenlang den freien Fall zu spüren. Den Moment des Sprungs hat ein namenloser Künstler in der Antike für die Ewigkeit festgehalten. 1968 wurde in Italien ein Grab entdeckt, dessen Grabplatte eben diesen Taucher zeigt. Nach ihm wurde die Fundstätte „Grab des Tauchers“ benannt.

Das Fresko allerdings stellte die Archäologen lange vor ein Rätsel: Welche Bedeutung hat das Motiv des sprühenden Lebens in einem Grab? Ging es dem Künstler bei seinem Werk ums Schwimmen oder um den Sprung in den Tod?

In seinem Vortrag entschlüsselt Tonio Hölscher die vielschichtige Bedeutung dieses einzigartigen Kunstwerkes. Mit geschichtlichem Blick stellt er zentrale Aspekte der griechischen Antike dar: die Kultur der Jugend und ihre Rolle für die Gesellschaft, die Erotik als bindende Kraft der menschlichen Gemeinschaften, die Bedeutung des athletischen Körpers und der schönen Erscheinung im sozialen Leben, die Konzepte der Lebensräume von Meer und freier Natur als Gegenwelt zur hohen Kultur der städtischen Lebenswelt. (cb)