Harburg - Das Stadtmuseum Harburg ist um ein bedeutendes Werk reicher - und das, obwohl ein Gemälde mit fast dem gleichen Motiv

bereits in der Dauerausstellung des Museums hängt.  Und auch wenn es viel kleiner ist, ist es nicht weniger wertvoll.

Dank der finanziellen Unterstützung durch die Sparkasse Harburg-Buxtehude konnte das Gemälde des Hamburger Malers Friedrich Kallmorgen gekauft werden, der zu den führenden Künstlerpersönlichkeiten Deutschlands im späten 19. Jahrhundert zählt. Das neu erworbene Gemälde ist eine wertvolle Ergänzung für die Sammlung und wurde am heutigen Donnerstag von Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Museums und Sandra Becker, Regionaldirektorin der Sparkasse Harburg-Buxtehude, in der Dauerausstellung des Museums aufgehängt.

 Der Hamburger und auch der Harburger Hafen waren im 19. Jahrhundert wichtige Ausgangspunkte für die Emigration in die neue Welt. Neugier, Abenteuerlust und das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg, aber auch die Flucht vor Krieg, Unterdrückung oder Hungersnöten ließen Millionen von Auswanderern von hier aufbrechen. Seit langem ist das Museum im Besitz eines Gemäldes, das genau diese Situation einfängt. Es stammt von dem in Harburg geborenen Maler Christian Ludwig Bokelmann (1844-1894), und es mögen die Eindrücke aus dem Harburger Hafen gewesen sein, die er 1894 in seinem Bild „Abschied der Auswanderer“ verarbeitet hat. Das große Gemälde zeigt in einer anrührenden Szene, wie sich Familienmitglieder voneinander verabschieden, während ein voll beladenes Pferdefuhrwerk bereitsteht, um die Auswanderer mit all ihren Habseligkeiten zum nächsten Bahnhof oder gar direkt zum Hafen zu bringen, von wo aus sich die Familie auf die beschwerliche Reise ins Ungewisse macht.

 Das Gemälde ist eines der bekanntesten Werke der Sammlung des Museums. Vor wenigen Wochen tauchte nun in einem Hamburger Auktionshaus eine kleinere Version dieses Gemäldes auf, erstaunlicherweise aber nicht von der Hand Bokelmanns, sondern eines Malers, der inzwischen deutlich bekannter ist, nämlich von Friedrich Kallmorgen. Zu seiner Zeit war Bokelmann als Professor in den Kunstzentren Berlin und Düsseldorf ein bedeutender Maler und wurde offenbar auch von Kallmorgen bewundert, so dass dieser sein Werk sogar kopiert hat, was unter Künstlern durchaus üblich war.

„Das Bokelmann-Gemälde ist zweifelsohne unser bedeutendstes Gemälde, das sich auch aufgrund des sehr seltenen Auswanderer-Motivs großer Bekanntheit erfreut. Eine Fotoreproduktion des Werkes hängt zum Beispiel im Auswanderer-Museum Ballinstadt. Das neue, bisher unbekannte Gemälde von der Hand Friedrich Kallmorgens stellt eine sehr wertvolle Ergänzung für unser Haus dar. Aus diesem Grund freuen wir uns sehr über das großzügige Engagement der Sparkasse Harburg-Buxtehude“, sagte Museumsdirektor Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss.

Und Sandra Becker, Regionaldirektorin der Sparkasse Harburg-Buxtehude ergänzt: „Die Förderung von Kunst und Kultur ist eine wesentliche Säule unseres regionalen Engagements. Mit seinen umfangreichen Sammlungen und Ausstellungen leistet das Stadtmuseum Harburg einen wertvollen Beitrag zur kulturellen Bildung in Harburg und Umgebung. Außerdem verbindet unsere Sparkasse seit vielen Jahren schon eine enge Partnerschaft mit dem Stadtmuseum. Deshalb sind wir glücklich, den künftigen Museums-Besuchern dieses bedeutende Gemälde von Friedrich Kallmorgen präsentieren zu können“.

Friedrich Kallmorgen (1856–1924) stammte ebenfalls aus Hamburg und war unter anderem 1910 Leiter der Großen Berliner Kunstausstellung. Eine seiner Vorlieben galt dem Hamburger Hafen, dem er in unterschiedlichen Ansichten und Lichtstimmungen immer wieder neue Facetten abgewann. Das neu erworbene Gemälde ist nun – sobald das Museum wieder geöffnet ist - in der archäologischen Dauerausstellung direkt neben dem Gemälde von Bokelmann zu bewundern. (cb)

Das Gemälde von Friedrich Kallmorgen. Foto: AMH