Harburg – Das war es wohl für die „Tunnelplastik mit Kette“ des 2013 verstorbenen Künstlers Friedrich Gräsel:

Tomas Spahn hat in der jüngsten Sitzung des Harburger Kulturausschusses einen Antrag seiner CDU-Fraktion für erledigt erklärt, mit dem der Erhalt des  Kunstwerks und sein Umzug nach Harburg gesichert werden sollte. CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer, in der vergangenen Legislatur noch Vorsitzender des Kulturausschusses und ausgewiesener Kunstkenner hatte seit Jahren hartnäckig dafür eingesetzt, die Tunnelplastik zu retten.

Die Hamburger Kulturbehörde hatte Gräsels Kunstwerk zur Internationalen Gartenausstellung 1973 in Auftrag gegeben. Zusammen mit Werken wie dem überdimensionalen Metronom des Dadaisten Man Ray bildete es eine „Kunstallee“, die vom Hauptbahnhof zum Ausstellungsgelände in Planten und Blomen führte. Die „Tunnelplastik mit Kette“ stand an exponierter Stelle neben der Kunsthalle. Jeder Autofahrer, der die Lombardsbrücke passierte, kannte das Kunstwerk. 1997 musste die Plastik dem Neubau der „Galerie der Gegenwart“ weichen. Statt sie an einen neuen Standort umziehen zu lassen, wurde sie im Materialdepot der Schulbehörde neben dem heutigen „Kunsthaus Söötborn“ in Niendorf zwischengelagert – und geriet in Vergessenheit.

Kunstkenner Fischer hatte die Plastik aber nicht vergessen und regte an, sie nach Harburg zu holen. Die Bezirksversammlung – zu Zeiten der schwarz-grünen Koalition – beschloss darauf einen entsprechenden Antrag. Schließlich wurden 45.000 Euro bereitgestellt, um die Plastik an der Harburger Schleuse aufzustellen. Doch der Umbau der Schleuse verzögerte den Umzug, die Mehrheitsverhältnisse in der Bezirksversammlung änderten sich, und schließlich setzte die SPD-Fraktion durch, das Geld für andere Zwecke zu verwenden.

Doch Fischer gab nicht auf, immer wieder hakte er nach. Inzwischen war das Kunstwerk vergammelt, niemand hatte sich um den Erhalt gekümmert. Dieser respektlose Umgang mit Kunst ließ Fischer nicht ruhen. Auch als die Kulturbehörde die Kosten für Restaurierung der Tunnelplastik auf mindestens 100.000 Euro taxierte, wollte Fischer nicht aufgeben.

Inzwischen haben sich die Mehrheitsverhältnisse in der Bezirksversammlung wieder geändert. Fischer ist den Vorsitz im Kulturausschuss los und hat offenbar resigniert. Tomas Spahn hat den Schlussstrich gezogen. ag