Harburg – Die Kulturschaffenden in Harburg sind keine Bittsteller, die vor Politik und Verwaltung „hübsch machen“ müssen, um

ein paar Almosen zu bekommen. Allerdings werden sie immer wieder so behandelt. Das ist das erste kleine Fazit eines inspirierenden Abends im Rockschuppen „Marias Ballroom“, zu dem Mathias Lintl vom Verein Stadtkulturhafen in Kooperation mit der Initiative Suedkultur Kandidaten für die Wahl zur Bezirksversammlung eingeladen hatte.

CDU und AfD hatten mit Hinweis auf den gleichzeitig stattfindenden Hauptausschuss der Bezirksversammlung abgesagt, und viele Genossen mögen sicher auch froh gewesen sein, mit dem Wahlkampf-Auftritt ihres Häuptlings, dem Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher, eine für sie plausible Ausrede gefunden zu haben, sich nicht einer Diskussion über Kultur und Stadtentwicklung stellen zu müssen. Die zögerliche Unterstützung für das Kunst- und Kulturprojekt 3falt ließ in den letzten Monat jedenfalls keinen kulturpolitischen Führungsanspruch der SPD, immerhin die zurzeit stärkste Fraktion in der Bezirksversammlung, erkennen.

Umso höher ist es SPD-Mann Holger Böhm anzurechnen, dass er sich trotzdem in den Ballroom wagte – mit der Möglichkeit vorgeführt zu werden. Aber Heinke Ehlers, Jürgen Marek (beide Grüne), Heiko Langanke (Linke) und Barbara Lewy (Neue Liberale) sind nicht nur ausgewiesene Kulturversteher, sie sind auch kultiviert und so ließen sie Böhm weitgehend ungeschoren. Mehr noch: Alle waren sich weitgehend einig, und der eine oder andere im Publikum fantasierte schon von rot-rot-grünen  Koalitionsverhandlungen. Aber so weit ist es noch lange nicht, keiner der Kandidaten ist bisher gewählt.

Dennoch zeichnete sich schon so etwas  wie eine gemeinsame Agenda für die kommenden Jahre ab. Grünen-Fraktionsvize Jürgen Marek formulierte sie so: „Eine nachhaltige Stadtentwicklung  braucht nicht nur mehr Grün, sie braucht auch mehr Stadtteilkultur.“ Um das zu erreichen, müsse man jetzt strukturell denken: Wie kann die Kommunikation verbessert werden? Wie kann man erreichen, dass die richtigen Leute mit dem richtigen Leuten reden? Zum Beispiel in den Fachausschüssen der Bezirksversammlung: Wieso tragen im Stadtplanungsausschuss Gutachter ihre Visionen über Perspektiven für die Harburger Innenstadt vor und die Initiative, die das Projekt 3falt verwirklichen will, muss im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit überzeugen? Diese Themen werden dann, wenn es gut läuft, in den Fraktionen gemeinsam diskutiert, aber jede Fraktion für sich.

Strukturen zu verändern heißt auch, dem Bezirk Harburg mehr Gehör „in Hamburg“ zu verschaffen. Wie lange wollen verantwortungsvolle Politiker überhaupt noch zusehen, dass die Stadt für jeden Einwohner der anderen sechs Bezirke 3,60 Euro für die Stadtteilkultur bewilligt, im Bezirk Harburg aber nur 1,78 Euro? Selbst die Kritik des Landesrechnungshofs hat an dieser Praxis hat nichts geändert. Marek: „Wir haben keine starke Lobby. Es ist natürlich auch ein schwaches Bild, dass Harburg der einzige Bezirk ist, der keinen Abgeordneten der Grünen in der Bürgerschaft hat.“

Die Anwesenheit eines Abgeordneten aus Harburg ist allerdings nicht mit Lobbyarbeit für Harburg gleichzusetzen. So hat sich zwar die SPD-Abgeordnete Birte Gutzki-Heitmann die Themenfelder „Kultur“ und „Wirtschaft“ auf die Fahnen geschrieben, gehört hat man vor ihr indes lange nichts mehr – schon gar nicht bei der Verteilung der Mittel für die Stadtteilkultur oder in Sachen 3falt.

Die Themen, die Mathias Lintl für dieses „Gipfeltreffen der Harburger Kulturpolitiker“ vorgegeben hatte, hätten für zehn Abend gereicht . Also: weitermachen! Es lohnt sich! Das Format (Diskussion ohne Moderator) ist klasse! ag