Harburg - Kommt jetzt doch Bewegung in den Streit um die ehemalige Hilke Likörfabrik am Karnapp? Zumindest hat die Stadt offenbar eingesehen, dass eine Finanzierung der Sanierung der denkmalgeschützten Ruine nicht möglich ist. Jetzt wurde der Intiative Li.fa nach deren Angaben zwei Grundstücke in unmittelbarer Nähe angeboten, um so das Projekt zu retten. So solle "die Möglichkeit gegeben werden, das Projekt querzufinanzieren", teilte die Initiative mit. Sie will dort zu 65 Prozent Sozialwohnungen, Kleingewerbe und Gemeinschaftsräume errichten.

Unterstützt wird die Initiative von der Lawaetz-Stiftung, die  sozial- und wirtschaftlich benachteiligten Personengruppen unter anderem den Zugang zum Wohnungsmarkt ermöglichen will, und dem Planerkollektiv, einer Gruppe von Architekten, die vor allem für Baugemeinschaften plant und Aufträge der öffentlichen Hand bekommt.

Das Konzept könnte aufgehen. Die Grundstücke, die die Stadt laut Li.fa zur Verfügung stellen will, sind mehrere Millionen Euro wert. Die Li.fa sieht sich mittlerweile als "ernstzunehmender Verhandlungspartner", der "die einzig realistische Option zur Erhaltung der denkmalgeschützten Häuser" habe.

Der Haken: Die Likörfabrik gehört nicht der Stadt. Sie ist im Besitz von Arne Weber, Harburger Investor und Bauunternehmer, der das Gelände erworben hatte, um zuletzt im Rahmen des hochtrabenden, aber geplatzten Projektes Center for Green Technologies den Bau zu sanieren. Das war allerdings vor zehn Jahren.

Seitdem gammelt die Schnapsbrennerei, die zwischen 1859 und 1901 am Karnapp in mehreren Etappen gebaut wurde und die seit 1980 leer steht, vor sich hin - auch weil das Denkmalschutzamt eine Restaurierung fordert. Die ist laut Weber auch nach nur halbwegs normalen ökonomischen Maßstäben nicht möglich. Schon der Gutachter habe geraten die Fassade zu erhalten und den Kern neu zu bauen. Das wolle das Denkmalschutzamt nicht.

Dort kam man ohnehin zu einem anderen Ergebnis. Die Likörfabrik, die vom Schwamm befallen ist, biete Möglichkeiten. Einsturzgefahr, wie von Weber als Grund für einen angestrebten Abriss angeführt, bestehe nicht. Allerdings zeigt das Angebot der Grundstücke für eine "Querfinanzierung", dass die Sache finanziell ein Schwergewicht ist.

"Natürlich kann man jeden Bau unter dem Strich sanieren", sagt Weber. Es sei dann eben extrem teuer, wirtschaftlich nicht darstellbar und in Wirklichkeit ein Neubau. "So etwas ist nur unter dem Gesichtspunkt Mäzenatentum möglich", so Weber.

Da hat er Erfahrung. Die Sanierung des Bornemannschen Haus, das nur einen Steinwurf von der Likörfabrik an der Harburger Schloßstraße liegt, geht sprichwörtlich auf sein Konto. Dort entstehen Studentenwohnungen in aufwendigst restauriertem Gemäuer. "Jede Stelle, die man angefasst hat, musste saniert der erneuert werden", sagt Weber. Das Fachwerk sei unter den Händen "zerbröselt" und nahezu komplett erneuert.

Der Likörfabrik prognostiziert er eine nicht weniger umfangreiche Sanierung. Er sei bereit die Likörfabrik abzugeben. zv