Harburg – Mit mehr als vier Monaten Corona-Verspätung startet jetzt die neue Ausstellung  „Gladiatoren - Helden des Kolosseums“ im Harburger

Museum. Und die gibt bis Ende Februar einen spannenden Einblick in die Welt römischer Kampf-Arenen und ihrer Helden.

Die Schau öffnet am Mittwoch, 16. September erstmals ihre Pforten. „Es waren keine Kämpfe, die immer auf Leben und Tot gingen, wie es immer wieder in Hollywood-Streifen gezeigt wird“, räumt Museumsdirektor Rainer-Maria Weiß mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf. „Untersuchungen haben ergeben, dass es bei 100 Kämpfen durchschnittlich 19 Todesopfer gab.“

Bis Februar  2021 werden  in  der Ausstellung originale römische Fundstücke  und spektakuläre Rekonstruktionen gezeigt. Lebensgroße Figuren, Filme und interaktive Stationen lassen die Helden des Römischen Reiches mit den Mitteln der Gegenwart zu neuem Leben erwachen und vermitteln dabei auch  Überraschendes: Wer  waren  die  Kämpfer,  was  passierte  hinter den  Kulissen  der Arena und welche  Rolle spielten Frauen bei den Gladiatorenspielen? Hintergrundinformationen  zum  römischen  Reich  und  seiner  Armee  runden  diese Ausstellung ab.

Die römischen Kampfarenen waren einst die größten Bühnen der Antike. Allein das Kolosseum in Rom fasste bis zu 50.000 Menschen, die dort die Kämpfe der Gladiatoren bejubelten. Diese galten zu ihrer Zeit als Helden, trainierten in speziellen Schulen wie heutige Spitzensportler und wurden mit aufwendigen Rüstungen ausgestattet.

Die Nachwelt machte sich bisher vor allen durch Hollywoodfilme ein Bild davon, wie sie gelebt und gekämpft haben. Die Ausstellung des Archäologischen Museums Hamburg verspricht nun einen völlig neuen Blick auf die Helden des Kolosseums: Ermöglicht wird dies durch die Zusammenschauneuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, bei der Fakten und Fiktion in bisher nicht gekannter Weise voneinander getrennt werden. Die Schau spult den aus heutiger Sicht makabren Ablauf eines Tages in der Arena ab und stellt die wichtigsten römischen Gladiatoren mit ihrer Ausrüstung und ihrer Kampftechnik vor.

Sie zeigt aber auch, dass die Gladiatorenspiele kein sinnloses Gemetzel waren, sondern dass es um die römischen Tugenden wie Tapferkeit und Todesmut ging sowie die Würde der Kämpfer. Die disziplinierte Ausbildung in der Gladiatorenschule und das körperlich anstrengende Training ließen die Männer zu starken, kriegerischen Helden werden. Siegreiche Kämpfer erfuhren hohes Ansehen in der römischen Bevölkerung und wurden gefeiert wie heutige Popstars.

Dennoch übten die Gladiatoren einen Beruf mit hohem Lebensrisiko aus. Wer allerdings die Gladiatorenzeit überlebte, konnte sein Leben neu beginnen. In der Ausstellung begegnen die Besucher nicht nur lebensgroßen Gladiatoren in originalgetreuer Kampfmontur, sie können die Ausrüstung sogar selbst anprobieren.

Der Eintritt kostet 6, ermäßigt 4 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Die Ausstellung hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. (cb)

Museumsdirektor Rainer-Maria Weiß in der Ausstellung. Foto: Christian Bittcher