Heimfeld - Die am Mittwochvormittag am Milchgrund gefundene Bombe ist entschärft. Um kurz nach Mitternacht hatten Sprengmeister Ronald Weiler

und sein Team die 1000 Pfund schwere amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht. Ursprünglich sollte die Entschärfung gegen 18:30 Uhr beginnen. Es hatte aber immer wieder Verzögerungen gegeben.

Viele gebrechliche ältere Menschen und enge Straßen, teilweise auch der Unwillen, der Anordnung zur Evakuierung Folge zu leisten, hatte den Beginn der Entschärfung immer wieder hinaus gezögert. Die Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Polizei und Bezirksamt rückten mit einem Großaufgebot an. Über 400 Einsatzkräfte waren vor Ort. Allein das Harburger Rote Kreuz war mit rund 100 Helfern sowie 60 Einsatzfahrzeugen beteiligt. Vor der Wache der FF Eißendorf an der Stader Straße wurde eine Befehlsstelle errichtet. Sie musste später in Richtung Hafen verlegt werden, weil sie zu nahe am Fundort war.

Polizisten gingen am Nachmittag von Tür zu Tür, klingelten die Bewohner raus. Zuvor war der Radius von etwa 500 Metern um den Fundort der Bombe  als Zone festgelegt worden, die evakuiert werden muss. Allein dort sind rund 7000 Menschen gemeldet. Auch zwei Seniorenwohnanlagen waren betroffen. Allein aus den beiden Pflegeheimen mussten 226 Menschen ihre Bleibe verlassen. 76 von ihnen konnten nur liegend transportiert werden. Dazu kamen 69 Rollstuhlfahrer. Das Problem beim Abtransport: Die Straßen um die Einrichtungen sind teilweise so eng, dass die Fahrzeuge viel Zeit für die an- und Abfahrt brauchten.

In zwei Schulen, in der Stadtteilschule Ehestorfer Weg und im Heisenberg Gymnasium, richtete das Harburger Rote Kreuz Notunterkünfte für 1000 Personen ein. Bis in den späten Abend kamen immer noch Menschen, oft mit kleinen Kindern, um dort Unterkunft zu finden.

Viele Heimfelder nutzten das Auto, um aus dem Gefahrenbereich heraus zu fahren. Weil bereits Straßen am Nachmittag gesperrt waren kam es rund um den Fundort der Bombe zu Verkehrschaos.Teilweise kamen die Autos nur im Schneckentempo voran. Auch der Nahverkehr war stark betroffen. Die Buslinien 141, 142 und 241 wurden bereits am Nachmittag umgeleitet. Ebenfalls ab Nachmittag hielten die Züge der S-Bahn nicht mehr in Heimfeld. Später wurde dann die S-Bahnstrecke nach Neugraben gesperrt. Auch die Fernbahn war betroffen. Busersatzverkehr konnte nicht eingerichtet werden, weil auch die Stader Straße dicht war.

Gefunden hatten den Blindgänger Arbeiter am Vormittag gegen 11 Uhr bei Baggerarbeiten auf dem Grundstück am Milchgrund Ecke Corduaweg, auf dem der Eisenbahnbauverein neue Wohnungen bauen will. Dort hatten bis vor wenigen Tagen noch Reihenhäuser gestanden, die 1928 gebaut worden waren. Die Bewohner hatten über 70 Jahre ahnungslos mit einem Blindgänger im Boden dort gelebt.

Die Entschärfung der mit zwei Aufschlagzündern bestückten Fliegerbombe selbst war weitgehend problemlos verlaufen. "Der Bombenboden war beim Aufprall herausgebrochen. Der Zünder hatte keine Verbindung mehr zum Sprengstoff", sagt Sprengmeister Weiler. Der Kopfzünder, der eigentlich mit einem Wasserschneidegerät aus der Bombenhülle geschnitten werden sollte, wurde in der Nacht dann doch von den Experten per Hand herausgedreht. Anschließend wurde der Detonator vor Ort gesprengt. Dann wurde die Fliegerbombe abtransportiert

Es war nicht der erste Bombenfund in dem Bereich. 2012 war ein Blindgänger an der Seniorenwohnanlage Rennkoppel entdeckt worden. 2011 war eine Fliegerbombe an der Bissingstraße entschärft worden. zv/cb

Sprengmeister begutachten die Bombe. Foto: André Zand-Vakili


Eine evakuierte Familie wird an der Notunterkunft am Heisenberg Gymnassium von en Hilfsskräften in Empfang genommen. Foto: André Zand-Vakili