Heimfeld - Vor dem Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz der Bezirksversammlung soll der Geschäftsführer des Krankenhaus Mariahilf,

Philip Fröschle, Rede und Antwort stehen. Es geht um die Kündigung der Chefärztin der einzigen verbliebenen Geburtsstation im Bezirk Harburg. Damit ist das Krankenhaus in das Visier der Politik geraten. Vor allem Kritiker der Zusammenlegung der beiden Geburtsstationen vom Krankenhaus Harburg und dem Krankenhaus Mariahilf nutzen den Moment, um die Klinik an der Stader Straße aufs Korn zu nehmen. Besondern aktiv: Dr. Gudrun Schittek, Frauenärztin mit Praxis in Blankenese und Gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen in Harburg. Sie wirkt wie der verlängerte Arm von Dr. Maike Manz, Chefärztin der Geburtsklinik im Mariahilf. Die Verfechterin natürlicher Geburten beklagt Missstände in der Klinik. Kritisiert werden von der von der Politik auch die gegen den Hamburgtrend rückläufigen Geburtenzahlen im Mariahilf. Das wird als Effekt einer "schlechten Klinik" gewertet. Was Frauen wollen, in dem Fall werdende Mütter, hat in dem Zusammenhang bislang keiner gefragt.

Es könnte bei dem Streit im Mariahilf nicht nur um Arbeitsbedingungen gehen. Denn der Rückgang der Geburten in der Klinik muss sich nicht zwangsläufig aus den Arbeitsbedingungen, also der Qualität der Betreuung ergeben. Die Daten dafür lieferte Dr. Maike Manz selbst durch einen von ihr verfassten Beitrag, die im Oktober 2018 im Hamburger Ärzteblatt veröffentlich wurde. Darin sieht die Chefärztin der Geburtshilfe die steigenden Zahlen von Kaiserschnitten kritisch. Sie ist eine Verfechterin der natürlichen Geburt.

Das schlägt sich offensichtlich auch auf die Statistik nieder. Im Krankenhaus Mariahilf liegt die Zahl der Kaiserschnitte mit 25 Prozent im vergangenen Jahr deutlich unter dem Hamburger Durchschnitt von 31,9 Prozent. Interessant ist eine Feststellung, die Dr. Maike Manz selbst in ihrem Beitrag im Hamburger Ärzteblatt trifft. Danach nimmt in anderen Kulturkreisen der Kaiserschnitt einen weitaus höheren Stellenwert ein, als in Deutschland. So stellte die Ärztin in dem Beitrag fest: „In der Türkei liegt die Sectiorate bei circa 50 Prozent und auch sehr viele Frauen, die aus Syrien zu uns kommen und dort bereits Kinder zur Welt gebracht haben, wurden dort per Kaiserschnitt entbunden.“

Mit Blick auf die Bevölkerungsstruktur im Bezirk Harburg könnte auch das mit eine Rolle spielen, das werdende Mutter das Krankenhaus Mariahilf nicht annehmen und stattdessen eine andere Klinik aufsuchen, wo ihren Wünschen nach einem Kaiserschnitt bereitwilliger entsprochen wird. "Ob eine ein Kaiserschnitt durchgeführt wird, entscheidet der zuständige Arzt", versichert Dr. Christoph Wenck (Foto), Ärztlicher Direktor im Mariahilf gegenüber harburg-aktuell. Es gäbe auch keine Vorgaben seitens der Klinik, wie in der Geburtsabteilung in Sachen Kaiserschnitt zu verfahren sei. Das bestätigt auch Klinik-Geschäftsführer Phillip Fröschle. Er verweist zudem darauf, dass die Geburtsstation nach den Wünschen der neuen Chefin ausgerichtet und personell ausgestattet worden sein. Sieben neue Stellen für Ärzte seien danach geschaffen worden.

Der Rückgang der Geburtszahlen im Mariahilf könnte damit auch mit der Unwilligkeit zur Durchführung von Kaiserschnitten zusammenhängen. Aus medizinischer Sicht gibt es verschiedene Positionen. Medizinisch notwendig sind tatsächlich nur ein Bruchteil der Kaiserschnitte. Oft ist der Wunsch nach dieser für die Frau "einfacheren" Geburt die Vermeidung von Schmerzen. Aber auch Furcht vor möglichen Komplikationen, oft im Internet von den Schwangeren selbst nachgelesen, oder einfach die Angst durch eine Geburt unattraktiver für Sexualpartner zu sein, spielen eine Rolle. So steht für einige Ärzte ein rein medizinischer Grund für die Durchführung eines Kaiserschnitts im Vordergrund. Für andere Ärzte zählt der Wunsch der Frauen auf eine selbstbestimmte Art der Geburt mehr.

Das Problem bei einer Ablehnung eines Kaiserschnitts: Die Schwangere kann einfach in eine andere Klinik gehen. In Hamburg ist die Auswahl groß. Beispielsweise genießt das schnell über die A7 zu erreichende Krankenhaus Altona als Geburtsklinik einen sehr guten Ruf. Dort ist die Pränatalmedizin, die vorgeburtliche Diagnostik und Therapie, sehr gut konzipiert und ausgestattet und, so die Eigendarstellung des Krankenhauses "das erste und einzige zer­ti­fi­zier­te DE­GUM-Zen­trum in Hamburg“.

Damit könnten die statistischen Probleme im Krankenhaus Mariahilf durchaus "stationsgemacht" sein. Denn von dem schlechten Arbeitsklima haben nach eigenem Bekunden weder der Geschäftsführer noch der ärztliche Direktor vor der Eskalation etwas mitbekommen.

Ein Ausfluss dieser Querelen könnte auch für die zeitweise Schließung des Kreißsaals im Mariahilf sein, der jüngst bundesweit Schlagzeilen machte. Nötig war er laut Krankenhaus durch den krankheitsbedingten Ausfall von Ärzten geworden. Das passierte in einer Situation, in der bereits ein erster Arzt das Krankenhaus nach der Kündigung verlassen hatte.

Das Stationen, wie die Notaufnahme eines Krankenhauses, zeitweise zu schließen, ist nicht ungewöhnlich. Das hat in der Regel mit aktueller Überlastung oder, wie im Mariahilf, mit krankheitsbedingten Ausfällen zu tun. Betroffen waren in der Vergangenheit auch Kreißsäle von anderen Krankenhäusern.

Dass sich im Mariahlif die Situation wieder normalisiert, davon ist der Klinikgeschäftsführer überzeugt. Laut Fröschle dürfte demnächst ein neuer Chef der Geburtsabteilung präsentiert werden. Es hat auf die Stelle mehrere Bewerber gegeben.

Fröschle wird auch der Einladung der Bezirksversammlung folgen und zu den Fragen der Bezirkspolitiker im zuständigen Ausschuss Stellung nehmen. zv