Hausbruch - Die geplante Sperrung des Ehestorfer Heuwegs im kommenden Jahr wird deutlich entschärft. Jetzt wird nicht mehr eine neun lange Monate

dauernde Vollsperrung zwischen Landesgrenze und Cuxhavener Straße eingerichtet. Staatdessen wird in zwei Bauabschnitten gearbeitet, die von März bis September im kommenden Jahr und dann von März bis November 2020 stattfinden.

Mit dem neuen Plan wirft die Behörde ihre vorher als alternativlos begründeten und lange vorbereiteten Planungen über den Haufen, nachdem es Druck aus der Politik, von Anliegern und aus der Wirtschaft gegeben hatte. Jetzt geht plötzlich, was vorher undenkbar war.

Der erste Bauabschnitt im kommenden Jahr wird der südliche, etwa 500 Meter lange Teil des Ehestorfer Heuwegs zwischen Landesgrenze und der Rudolf-Steiner-Schule sein. Von der Cuxhavener Straße aus wird die Schule dann erreichbar sein. Wer von Ehestorf aus seine Kinder bringt, kann bis zur Baustelle. Den Rest können die Kinder problemlos laufen. In besonderen Fällen, beispielsweise bei behinderten Kindern, sollen individuelle Lösungen gefunden werden. Anwohner kommen zu ihren Grundstücken. Ihnen wird ein Passierschein ausgestellt. Rettungswagen oder Pflegedienste können die Baustelle ebenfalls passieren. Dass nicht andere Fahrzeuge durchfahren dürfen, begründen die Planer damit, dass bei Vorbeifahrten die Arbeiten auf der Baustelle eingestellt werden müssen.

In 2020 wird der nördliche, etwa 1,5 Kilometer lange Abschnitt des Ehestorfer Heuwegs umgebaut. Die Schule, die gastronomischen Betriebe und Grundstücke der Anwohner bleiben erreichbar. Die Schule wird in der Zeit von Norden aus, also aus Richtung Hausbruch mit einem Shuttle angefahren. Von Niedersachsen aus ist sie dann problemlos erreichbar, weil der Abschnitt des Ehestorfer Heuwegs fertiggestellt sein wird.

Für die neue Planungen musste ein bisheriger Plan über den Haufen geworfen werden. Darüber hinaus wird die Grundinstandsetzung der Bremer Straße verschoben. Statt wie geplant 2020 findet sie ein Jahr später statt. So bleibt die wichtigste Ausweichstrecke für den Verkehr frei.

Die Sache hat natürlich einen Haken. Statt neun Monate auf ganzer Länge, wird der Ehestorfer Heuweg nun mit Unterbrechung insgesamt 16 Monate als Durchfahrtsstraße gesperrt sein. Die Probleme für Gewerbetreibende im Umfeld des Ehestorfer Heuwegs werden damit nicht kleiner, sondern eher größer. Die bisherige Sperrung, die in der kommenden Woche beendet wird, hatte bereits meßbare Auswirkungen in Form von Umsatzeinbußen auf Betriebe wie das Museumsdorf Kiekeberg oder den Wochenmarkt in Neugraben.

Die SPD versucht die Umplanung als ihr Verdienst hinzustellen. "Es ist gut, dass jetzt eine bessere Baustellenplanung auf den Tisch kommt", meint der Fraktionsvorsitzende der SPD in Harburg, Jürgen Heimath. "Wir sind seit Wochen gemeinsam mit der Harburger Verwaltung in intensiven Gesprächen mit dem Landesbetrieb und der Verkehrsbehörde, um eine vernünftige Lösung für die Betroffenen vor Ort zu erarbeiten." Und auch sein Partei-Kollege aus der Bürgerschaft, Matthias Czech, schaltet sich in das Thema ein. Der SPD-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Süderelbe war in der Vergangenenheit überhaupt nicht im Zusammenhang mit dem Thema aufgefallen.

Ehrlicher wirkte dagegen Uwe Schneider (CDU), der krüzlich die lange offensichtliche Untätigkeit in Sachen Ehestorfer Heuweg so kommentierte. "Da haben wir als Politik gepennt". Denn dass etwas schief läuft, war anderen aufgefallen. Axel Krones, Bürgermeister in Ehestorf, war schon seit August Sturm gegen die Planungen gelaufen. Die AfD hatte die Sperrung in der Harburger Bezirksversammlung und in der Hamburger Bürgerschaft in Anträgen thematisiert.

Dass am Ehestorfer Heuweg so aufwendig gebaut wird, hat mit mehreren Gründen zu tun. Einerseits wird die Verkehrssicherheit für Radfahrer angeführt, obwohl die Strecke im Unfallatlas in den letzten Jahren entgegen der Behauptungen aus der Politik nicht als "Unfallbrennpunkt" aufgeführt wird. Herhalten muss ein tragischer Verkehrsunfall, der um die acht Jahre zurückliegt und von dem nicht einmal mehr die zuständige Planerin beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer die Details kennt. Zudem muss ein zweites Abwasserrohr verlegt werden, weil mittlerweile ein Siel nicht mehr als ausreichend angesehen wird. Das verengt die verbleibende Fahrbahn dermaßen, dass nach neuen Bestimmungen zum Arbeitsschutz Fahrzeuge nicht mehr an der Baustelle vorbeifahren können. zv