Harburg - Erst ein Arbeitstreffen, dann ein PR-Termin. In Harburg gaben sich am Donnerstag die Spitzen der Hamburger Politik die Klinke in die Hand. Zunächst war Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher mit Staatsrätin Melanie Schlotzhauer aus der Sozialbehörde im Rathaus. Tschentscher setzte sich zuerst im Großen Sitzungssaal mit Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen und Sozialdezernentin Dr. Anke Jobmann zusammen. Unter anderem waren neben Kinderschutz oder die Kontrolle von Pflegeeinrichtungen auch die Familienstrukturen im Bezirk Harburg ein Thema.

Anschließend ging es rüber zum Gesundheitsamt, wo der Bürgermeister unter anderem einem dort eingesetzten Soldaten über die Schulter schaute und sich über Symtomkontrolle informieren ließ.

Später, Tschentscher war bereits wieder weg, setzte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank zusammen mit der Bezirksamtsleiterin die Aktion in Szene, durch die die Harburger Gruppen über Corona informiert werden sollen, die die Behörde seit Beginn der Pandemie nicht erreichte. 10.000 Euro lässt sich das die Stadt zunächst kosten.

Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank und Citymangerin Gitte Lansmann (v.l.) eröffnten die Aktion. Foto: André Lenthe - Fotografie

Es ist eine Mischung aus bunten Stelzenläufern, kostenlosen FFP2-Masken, Plakaten, Flyern in sechs Sprachen und einem Infomobil, die helfen soll. Initialzündung für die Aktivitäten dürfte ein Bericht des NDR gewesen sein, der die Inzidenzen in den Stadtteilen offen gelegt hatte. Dabei wurde belegt, was vorher von vielen auf Grund der Inzidenzzahlen in den Bezirken geahnt wurde. Soziale Brennpunkte mit hohen Migrantenanteil sind Schwerpunkte des Infektionsgeschehen. Das war zuvor ein gut gehütetes Geheimnis der Behörden gewesen.

Ganz ausgegoren ist die Aktion noch nicht. So hat man, so hieß es, die Imame der Moscheen in Harburg noch nicht mit im Boot und weiß auch nicht, ob alle mitmachen.

Die Zweite Bürgermeisterin versuchte die späte Reaktion der Behörden auf das Problem durch Veränderungen im Pandemiegeschehen zu erklären. Tatsächlich hatte es in der ersten Welle, die im Vergleich zur zweiten und jetzt dritten Welle eher ein Wellchen war, tatsächlich Fälle vor allem in Stadtteilen wie Niendorf gegeben, wo überproportional Hamburger leben, die den begriff "Skiferien" mit Leben füllen.

Bereits in der zweiten Welle hatte es extrem hohe Inzidenzwerte in den Bezirken Harburg in Mitte gegeben, die damals wie auch jetzt an der Spitze des Infektionsgeschehens in Hamburg stehen. So betrugen in der Woche vor dem 18. November vergangen Jahres die Inzidenzwerte in Harburg 211 und in Mitte 239. Das war keine Eintagsfliege. Mitte Januar lag der Inzidenzwert im Bezirk Harburg bei 200 und in Mitte bei 228. Auch das war hamburgweit Spitze. Fegebank stellte allerdings erst, wie sie sagte, "jetzt" fest, dass Stadtteile mit Kinderreichtum und einer schwierigen sozialen Lage betroffen seien.

Immerhin wird die Aktion von mit einbezogenen Institutionen wie Wohnungsbaugesellschaften oder Vereine gut angenommen. Die holten das Informationsmaterial beim Citymanagment bereits ab. zv