Harburg - Das ist keine echte Überraschung. In Stadtteilen mit sozial niedrigem Status grassiert Corona mehr, als woanders. Das hat der NDR herausbekommen, nachdem ein Jahr lang solche Daten von den Behörden geheim gehalten wurden.

Im Bezirk Harburg sind es die Stadtteile Neuenfelde, Heimfeld und Harburg, die besonders stark betroffen sind. Harburg ist mit statistisch 4668 Infektionen pro 100.000 Einwohnern Spitzenreiter. Aber auch Neugraben, Hausbruch und Eißendorf sind stärker belastet.

Blickt man etwas über den Tellerrand hinaus, sind Wilhelmsburg und die Veddel, als absoluter hamburgweiter Spitzenreiter mit 7978 Fällen pro 100.000 Einwohner, ebenfalls hoch belastet.

Bislang hatten die Behörden so getan, als würde sie die regionale Verteilung nicht interessieren. So ließ das Bezirksamt bereits in einer frühen Phase der Pandemie verlauten, dass man Hamburg "als Ganzes sehe". Auch jetzt, wo klar ist, dass man sehr detaiulliert über die Verteilung der Coronainfektionen Bescheid weiß, will man die Werte nicht weiter analysieren.

Für den Bezirk Harburg hat eine Kleine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten André Trepoll zumindest zu der Frage, wo man sich ansteckt, etwas Licht ins Dunkel gebracht. Die meisten nachverfolgbaren Infektionen wurden durch Kontakte in der Familie übertragen. 521 Ausbrüche mit 1397 festgestellten Infizierten wurden bekannt. Damit wurden, kam es in einer Familie zu einem Ausbruch, statistisch 2,7 mit Corona infiziert.

Die folgenreichsten Ausbrüche gab es in Flüchtlingsunterkünften. Schleppte dort ein Bewohner Corona ein, infizierten sich im Durchschnitt 20,6 Bewohner. Auch in Altenheimen gab es bei einem Ausbruch besonders viele Infizierte. 14,6 Menschen steckten sich hier im Durchschnitt an. Der Wert hatte vor wenigen Monaten noch deutlich höher gelegen. Seit die meisten Bewohner geimpft sind, bleiben die Ausbrüche klein und betreffen überwiegend Personal, dass sich nicht impfen lassen wollte. Auf Platz 3 der Coronaverbreiter folgen, wenn auch weit abgeschlagen, Kindergärten. Drei Infizierte gab es hier durchschnittlich pro Ausbruch.

Alle anderen Bereich lagen unter dem Durchschnitt von drei Infizierten pro Ausbruch. In Restaurant, Imbissen, Hotels, aber auch Bus und Bahn wurden im Bezirk Harburg in keinem Fall als Verbreitungsort von Corona lokalisiert. In Krankenhäusern gab es ebenfalls Ausbrüche, die aber unter Kontrolle gebracht werden konnten. 2,9 Infizierte wurden hier pro festgestellten Ausbruch erfasst.

Der Haken an der Erhebung: Bei etwa 75 Prozent der Infektionen konnte das Gesundheitsamt nicht nachvollziehen, wo sich der Infizierte angesteckt hatte.

"Es ist erfreulich, dass die Infektionszahlen in den Alten- und Pflegeheimen durch die Impfungen nun deutlich zurückgehen", kommentier Trepoll die Erkenntnisse aus seiner Kleinen Anfrage. "Der Schwerpunkt der Infektionen bleibt aber der private Bereich." Deshalb müssten sich die Harburger noch einige Wochen an die Kontaktbeschränkungen im privaten Umfeld halten. zv