Marketingexperten sollen den Harburger Wochenmarkt interessant für die junge Generation aufbereiten. Nicht, dass Werbung für den seit über 400 Jahren bestehenden Wochenmarkt verkehrt wäre. Und auch nicht, dass immer wieder Dinge gibt, die man attraktiver gestalten oder umsetzen könnte. Die Stadt hat da ja einiges gemacht. Die Neugestaltung ist weitgehend gelungen und es wurden auch technische Erfordernisse hergestellt.

Der Markt hat ein anderes Problem: Er wird von "weißen Männern und Frauen" frequentiert. Oder andersrum: Die Gruppe, die, wie es der Zeitgeist formuliert, die Gesellschaft bunt machen, macht einen Bogen um den Wochenmarkt. Man kann sich selbst davon überzeugen, wenn man zwischen den Ständen flaniert.

Vielleicht sollte man sich darüber Gedanken machen. Gerade weil Harburg als Stadtteil über ganz viel "bunte" Bevölkerung verfügt. Die, als die Kunden aus der Gegend, für den Wochenmarkt zu begeistern, wäre ein großer Wurf. Stattdessen werden die "Jungen" aus der Klöterkiste des Zielpublikums geholt.

Das macht man eigentlich dauernd. Immer sind es die "jungen Familien" oder die nicht ganz so gern genannten jungen Singles - wenn es geht akademisch gebildet, multikulti und sozial angehaucht mit dicker und lockerer Geldbörse - die ganze Stadtteile bevölkern, Kneipen füllen, Kultureinrichtungen stürmen, Läden leerkaufen oder sonstwas richten sollen. Da muss ich sagen: Pech Leute, die sitzen lieber in der Schanze, in Eppendorf oder Eimsbüttel. Für den Rest der Stadt gibt dieses Modell die Bevölkerungsstruktur einfach nicht her.

Also doch den Wochenmarkt lieber "bunter" machen. Gelingt das nicht im erwünschten Umfang, muss man eben auf die Kundschaft setzen, die bereit ist für frische Erzeugnisse eine gewisse Wegstrecke auf sich zu nehmen und die Waren fair zu bezahlen. Natürlich muss man dafür werben. Aber man muss auch eine gute Infrastruktur anbieten. Das ist einerseits der Nahverkehr, der ja in kürzester Entfernung Bus- und S-Bahn-Haltestellen bietet. Und auch Fahrradbügel laden zum Törn zum Markt bei gutem Wetter ein.

Ich dürfte aber wohl nicht ganz falsch liegen, wenn so ein Zielpublikum auch ganz gern mit dem Auto kommt. Das heißt: Der Markt braucht dauerhaft ein Parkplatzangebot, dass einen kurzen Abstecher zum Einkauf möglich macht und das auch angenommen wird.

André Zand-Vakili