Promotion - „Ein Lehrer wird zum Lebensretter“, titelten verschiedene US-Medien erst vor wenigen Tagen. In Knoxville, Tennessee, war ein Schüler während des Sportunterrichts zusammengebrochen.

Herzstillstand. Ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) half dem Lehrer bei der Reanimation, der Junge überlebte. Und tatsächlich: „Ein AED ist überraschend einfach zu bedienen.“ Das bestätigt auch Bernhard Schnitter, Lehrer an der Wilhelmsburger Bonifatiusschule, beim Besuch des benachbarten Krankenhauses zur „Woche der Wiederbelebung“.

„Wisst ihr, was ein Defibrillator ist?“ Statt der Lehrkräfte stellte am vergangenen Dienstag Dr. Ewald Prokein, Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Groß-Sand, den Achtklässlern die Fragen. „Das ist dieses Gerät aus dem Krankenhaus – sssssst-bumm“, imitiert ein Schüler das Geräusch des lebensrettenden Elektroschocks, wie er es aus dem Fernsehen kennt. Soweit so richtig! Worauf Dr. Prokein allerdings anspielt, ist ein sogenannter Automatisierter externer Defibrillator (AED), den er seinen jungen Zuhörern im Rahmen des Wiederbelebungstrainings vorstellt. „Ein AED ist ein speziell für Laienhelfer konzipiertes Gerät, das bei Bedarf über zwei Elektroden einen Schock auslöst. Eine Computerstimme führt den Helfer dann durch alle Schritte der Reanimation“, erklärt Prokein. Technik, die begeistert! Doch allein Lehrer Bernhard Schnitter traut sich letztlich, das Demogerät vor den fast 50 Schülern auszuprobieren. Er klebt die Elektroden gemäß Anleitung auf den Oberkörper der Puppe, das Gerät prüft den Herzrhythmus, löst einen Schock aus und erklärt dann genau, wie die Herzdruckmassage funktioniert. „Patient gerettet“, erlöst Prokein den Lehrer irgendwann – die Klasse applaudiert. Während der Kollege in den USA erst kürzlich ein AED-Training absolviert hatte und beim Zusammenbruch des Schülers sofort wusste, was zu tun ist, hatte Bernhard Schnitter das Gerät zum ersten Mal in der Hand. „Ich habe zwar davon gehört, wusste aber nicht, dass AEDs bereits an vielen öffentlichen Orten wie zum Beispiel in Einkaufscentern, Schwimmbädern oder Fitnessstudios für jeden zugänglich und vor allem so einfach zu benutzen sind.“

Prüfen – Rufen – Drücken: Faustregel zum Leben retten Doch auch wenn sich kein „Defi“ in der Nähe befindet, ist Leben retten gar nicht schwer. Das demonstrierten Prokein und Team nicht nur den Schülern aus der Nachbarschaft, sondern erstmals auch einer achten Klasse am Wilhelmsburger Helmut-Schmidt-Gymnasium. „Am besten ihr merkt euch die einfache Faustregel Prüfen-Rufen-Drücken“, erklärt Prokein den interessierten Jugendlichen. Was sich dahinter verbirgt, haben die meisten schnell verinnerlicht – und beweisen das neue Können dann eindrucksvoll an Puppen. „Erst müssen wir prüfen, ob der Mensch bei Bewusstsein ist und ob er atmet“, wissen die Achtklässler genau. Als nächstes wird der Anruf bei der 112 simuliert. „Das funktioniert auch, wenn man kein Guthaben hat“, steht nach kurzer Diskussion fest.


Der nächste Schritt ist im Zweier-Team ideal: Eine Person führt 30 Herzdruckmassagen durch, ein Mitschüler beatmet die Puppe dann zweimal. Und wieder von vorn, bis der Rettungswagen eintrifft. Das ist ganz schön anstrengend – und dennoch erstaunlich einfach. „Ich habe irgendwo von einem Achtjährigen gehört, der seinen Opa wiederbelebt hat“, berichtet ein Junge. „Ich dachte erst, dass das nicht stimmen kann, jetzt weiß ich aber, dass es möglich ist.“