Dr. Reinpold

Wilhelmsburg - Nicht nur Knochen können brechen. Auch Brüche an der Bauchwand, genannt Hernien, sind weit verbreitet. Dr. Wolfgang Reinpold,

Chef des Hernienzentrums am Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand, erklärt, was bei Leisten- und Bauchwandbrüchen zu tun ist.

Warum werden Hernien oft unterschätzt?

Dr. Reinpold: "Weil einige Brüche kaum oder gar keine Beschwerden bereiten. Hin und wieder ein Ziehen im Bauchbereich, eine leichte Vorwölbung, die sich zurückdrücken lassen – für viele sind diese Symptome nicht besorgniserregend. Problematisch wird es dann, wenn Komplikationen auftreten."

Was können das für Komplikationen sein?

Dr. Reinpold: "Zum Verständnis: Hernien sind Risse in der Bauchwand. Es kann passieren, dass Organe wie beispielsweise der Darm schlichtweg den Halt verlieren und durch das Loch rutschen. Unter Umständen kommt es zur Einklemmung. Wenn in der Folge die Blutzufuhr reduziert oder gar gestoppt ist, wird es gefährlich."

Was ist also zu tun?

Dr. Reinpold: "Einen Arzt konsultieren statt einfach abzuwarten. Nicht immer ist sofort eine OP nötig. Aber: Die Brüche können nicht von selbst zusammenwachsen. Vielmehr werden die meisten immer größer und müssen letztlich doch operiert werden – und das sollte nicht erst passieren, wenn es kritisch wird."

Wie kann man sich so eine OP vorstellen?

Dr. Reinpold: "Gemäß internationalem Standard wird die Bruchlücke heutzutage mit einem Kunststoffnetz verschlossen. Es stehen unterschiedliche OP-Verfahren zur Verfügung – wir bevorzugen minimal-invasive Techniken mit nur millimeterkleinen Hautschnitten. Das hat viele Vorteile: ein besseres kosmetisches Ergebnis, weniger Schmerzen und eine schnellere Leistungsfähigkeit nach der OP. Die meisten Patienten verlassen das Krankenhaus schon einen Tag später. Volle Belastung ist sehr schnell wieder möglich."

Sie haben eine eigene OP-Technik entwickelt. Was ist das besondere?

Dr. Reinpold: "Die sogenannte MILOS-OP kommt bei Narben- oder Nabelbrüchen zur Anwendung und ist ein weltweites Novum. Anders als üblich platzieren wir das Kunststoffnetz außerhalb der Bauchhöhle und vermeiden so den direkten Kontakt mit den inneren Organen. Das bedeutet: Kaum noch Verwachsungen und eine dauerhafte Heilung. Wir haben bereits mehr als 1.500 OPs in dieser Technik durchgeführt und freuen uns über hervorragende Studienergebnisse." zv