Dr. Wolfgang Reinpold

Wilhelmsburg - Leistenbruch, Narbenbruch, Nabelbruch: Brüche an der Bauchwand, genannt Hernien, sind weit verbreitet und werden oft auf die "leichte Schulter" genommen.

Das wissen die weltweit anerkannten Spezialisten vom Krankenhaus Groß-Sand. Sie warenen davor zu warten, bis der Notfall eintritt. Dr. Wolfgang Reinpold, Chefarzt im Wilhelmsburger Krankenhaus, warnt dringend davor, ein Bruchleiden zu unterschätzen: „Eine Hernie ist ein Loch in der Bauchwand. Es kann Darm oder anderes Gewebe hindurchrutschen und abklemmen – unter Umständen droht Lebensgefahr“, erklärt der Experte, der seit 2014 auch Präsident der Deutschen Herniengesellschaft ist.

Mehr als 1.000 Hernien operieren Reinpold und Team pro Jahr – darunter Leistenbrüche ebenso wie Nabel-, Narben-, Zwerchfell- oder Schenkelhernien sowie komplizierte Wiederholungsbrüche. Neben den außergewöhnlich hohen Operationszahlen zeichnet sich die medizinische Qualität durch extrem niedrige Komplikationsraten aus. Vor diesem Hintergrund hat das Groß-Sand Hernienzentrum als erste Hamburger Klinik und als dritte in Deutschland das Gütesiegel „Referenzzentrum Hernienchirurgie“ erhalten.

Wenn möglich bevorzugen Reinpold und Kollegen schonende minimal-invasive OP-Verfahren. Über millimeterkleine Schnitte wird ein Kunststoffnetz eingesetzt, das die Bruchlücke dauerhaft verschließt. Die Vorteile gegenüber einer offenen OP: geringere Schmerzen, schnellere Belastbarkeit sowie kaum sichtbare Operationsnarben. Ein weltweites Novum ist die in Wilhelmsburg entwickelte MILOS-Technik, die bei Narben- und Nabelbrüchen zur Anwendung kommt. Anders als bei gängigen Verfahren wird hier das Netz außerhalb der Bauchhöhle platziert. So werden häufige Komplikationen wie beispielsweise Verwachsungen mit dem Darm vermieden. Insgesamt 1.500 MILOS-OPs hat das Wilhelmsburger Team bereits durchgeführt. Aus aller Welt kommen Chirurgen auf die Elbinsel, um die Technik zu erlernen. Und das mit gutem Grund: Unabhängige Studien bescheinigen MILOS signifikant weniger Komplikationen sowie akute und chronische Schmerzen als bei herkömmlichen OP-Techniken. dl

Veröffentlicht 20. Juni 2016