SommerAndreasHarburg - Angst vor den Folgen des Grexit? Die muss man nicht haben. Das meint Andreas Sommer, Vorstandsmitglied der Sparkasse Harburg-Buxtehude.

Unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen werden sich die Folgen für den deutschen Anleger in Grenzen halten. „Unsere Kunden können beruhigt sein. Die Märkte können selbst mit der Grexit-Perspektive mittlerweile leben." Das zeige sich auch an der ersten Reaktion der Finanzmärkte auf die neue Sachlage: Zwar mussten die europäischen Aktienmärkte Einbußen hinnehmen, viele andere Marktsegmente, vom Euro-Kurs bis hin zum Goldpreis zeigten sich aber stabil. Sommer: "Anleger müssen sich weiterhin vorübergehend auf erhöhte Schwankungen an den Finanzmärkten einstellen. Diese sollten sich jedoch innerhalb weniger Wochen wieder beruhigen. Eine Änderung der strategischen Ausrichtung der Portfolios wird aber nicht nötig sein.“

Über das vergangene Wochenende hat sich der Schuldenstreit mit Griechenland zugespitzt. Die Euro-Gruppe hat bekannt gegeben, dass sie das Hilfsprogramm für Griechenland zum 30. Juni auslaufen lassen will. Der Stopp der Zahlungen ist eine Reaktion auf die Ankündigung von Griechenlands Premierminister Tsipras, die Griechen am 5. Juli in einem Referendum über das Sparpaket abstimmen zu lassen. Seine Partei will die Wähler auffordern, mit „Nein“ zu stimmen. Diese negative Wahlempfehlung ist es, die aus dem bislang als konstruktiv eingeschätzten Weg, mittels eines Referendums oder Neuwahlen zu einer Lösung des Konflikts zu gelangen, nun einen Abbruch der Verhandlungen mit Griechenland gemacht hat. Ein Grexit wird wahrscheinlicher.

Wirtschaftlich sei Griechenland zu klein, um die Konjunktur in Euroland zu bremsen. Zudem würden die Schulden Griechenlands nicht mehr vom privaten Sektor, also von privaten Haushalten, Banken oder Versicherungen, gehalten. Daher drohe auch keine Finanzmarkt-Destabilisierung, wenn die Rückzahlungen bei einem Grexit ausfallen. Nach Ansicht von Sommer  seien mögliche Folgen allerdings nur von kurzer Dauer: „Nach den getroffenen Entscheidungen – Verhandlungslösung oder Grexit – dürften sich die Reaktionen an den Kapitalmärkten schnell zurückbilden.“

Griechenland-Touristen empfiehlt Andreas Sommer für die Zeit der Bankenschließung bis zum 7. Juli genügend Bargeld mit sich zu führen. „Sie können zwar weiterhin im Rahmen ihres üblichen Verfügungslimits mit der Karte bezahlen und am Geldautomaten abheben. Allerdings ist nicht sicher, dass diese stets ausreichend befüllt sind. In Geschäften und Restaurants soll das Bezahlen mit EC- oder Kreditkarten wie gewohnt möglich sein.“ dl