150609Ino1Harburg - Sie ist doch längst da, Hamburgs Zukunft, die im Süden liegen soll. Bürgermeister Herbert Weichmann hatte das schon Ende der 1960er-Jahre prophezeit,

manche zweifeln heute noch. Sie übersehen die TU, die inzwischen zu einer exzellenten Bildungs- und Forschungsinstanz gereift ist und zunehmend auch Impulse für das gesellschaftliche Leben in Harburg gibt. Sie übersehen TuTech – einst Mikroelektronik-Anwendungszentrum –  als Schnittstelle zwischen Hochschule und Wirtschaft und Nukleus für Innovation. Vor allem übersehen sie die rund 250 Unternehmen rund um TuTech und hit Technopark, die beim innovativen Potenzial keinen Vergleich mit dem Silicon Valley scheuen müssen. Der einzige Unterschied zum kalifornischen Pendant: Die Zukunftsregion im Hamburger Süden hat noch nicht den Versuch gemacht, sich gemeinsam zu vermarkten.

Und nun auch noch der 1. Hamburg Innovation Summit, ein Treffen von 400 Gründern, Visionären und Zukunftsgestaltern mitten in Harburg – und zwar in der zurzeit angesagtesten Location südlich der Elbe, dem Kulturspeicher am Kaufhauskananl. Einen Tag lang war Zukunft in historischer Kulisse greifbar. Leute aus Wirtschaft, Wissenschaft und – viele zu wenige – aus Politik redeten über Innovationsprozesse, Strategien und zukunftweisende Technologien.

150609Ino2

Investor Arne Weber und TU-Präsident Garabed Antranikian hatten Spaß an neuer Technik. Foto: pr

Um den Leuten, die gedanklich schon ganz weit vorne sind, eine Bühne zu geben, um andere Leute, die noch nicht so weit sind, „anzuzünden“, hatten die Organisatoren vom TUHH Startup Dock drei Kurzreferate über neue Technologien an den Anfang gesetzt. Ob nun gerade Virtual Reality das nächste große Ding ist? Verblüffende Effekte gibt es da schon, aber Jan-Keno Janssen, Redakteur beim C’t Magazin, gab auch zu: „Bisher ist es nur der Porno-Industrie gelungen, damit Geld zu verdienen.“  Und als er von einem speziellen Problem der Entwickler berichtete, stellte sich so mancher insgeheim die Sinnfrage. Janssen: „Wissen Sie, was immer wieder passiert, wenn da einer in der Virtual Reality mit der MP durch den Dschungel läuft und in Wirklichkeit sitzt er in einem Sessel? Ihm wir schlecht!“ Wohl wahr!

Viel handfester ist da die Lüsterklemme von digitalSTROM. Sie sieht aus wie eine Lüsterklemme, hat die Funktion einer Lüsterklemme und kostet knapp unter 100 Euro. Weil sich in ihrem Inneren ein kleiner Rechner verbirgt, der nicht nur den Stromverbrauch misst (und damit manch Hersteller von Elektrogeräten beim Schummeln mit den Verbrauchswerten erwischt), sondern auch andere Funktionen bietet, die sonst nur mit Zusatzgeräten zu schaffen sind.

Dass man bei Peter Sander, bei Airbus Mastermind für neue Produktionsweisen, aus dem Staunen nicht rauskommt, ist bekannt. Von ihm weiß man, welche wichtige Rolle der 3D-Druck in der Spitzentechnologie Luftfahrt einnimmt. Er berichtet auch von der US Army, die 3D-Drucker nach Afghanistan geschickt haben, um Ersatzteile für ihr Kriegsgerät zu drucken. Oder dass auf der ISS-Raumstation zwei solcher Drucker stehen. Wenn etwas kaputt geht, wird es eingeschmolzen und neu gedruckt. Das spart Gewicht beim Transport in den Raum.

Aber dann sagt Sander im Vorübergehen einen Satz, der einen umhauen kann. Zumindest vermittelt er eine Ahnung davon, welch dramatische Änderungen uns noch erwarten: „In einigen Jahren kann man die Hälfte aller Produktionsanlagen in die Tonne treten.“

Nachmittags Ideen- und Strategieschmiede in kleinen Gruppen, eine diesmal eher zerfaserte Key Note von „Innovationsmanager“ Frank Piller von der Technischen Hochschule Aachen und schließlich der Ritterschlag von Wirtschaftssenator Frank Horch: „Wir werden auch den nächsten Innovation Summit unterstützen.“ ag