100317Abriss2Binnenhafen - Da hat Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg kräftig zugepackt. An den Bedienhebeln eines Abrissbaggers sitzend riss er am Mittwoch die erste Ecke des historischen Hansen-Speichers auf der Schlossinsel ein. „Das hat echt Spaß gemacht“, sagt Meinberg. Bis 2012 sollen dort für 60 Millionen Euro etwa 180 moderne Wohnungen entstehen. Das Projekt wird von Frank Lorenz entwickelt. „Wir wollen, dass dieser Ort zum Ankerpunkt und Taktgeber für die weitere Entwicklung des Harburger Binnenhafens wird“, sagt Lorenz.

Die droht aber gewaltig aus dem Takt zu geraten. Der Bezirk streitet sich jetzt offiziell mit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), die im Rahmen ihrer Sparverpflichtungen 3,87 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen aus dem Haushalt 2011/2012 streichen will. Offiziell soll die Bereitstellung der Mittel nach hinten verschoben werden. Doch diese Zusage kann man laut Meinberg gar nicht seriös machen. Im folgenden Haushalt müsste das Geld neu eingeworben werden. Doch selbst wenn das klappt, ist der Schaden für die Binnenhafenentwicklung bereits eingetreten. „Die Reduzierung der Mittel hätte, selbst wenn sie für 2013 eingestellt würden, zur Folge, dass sich wichtige Teile der Schlossinsel wie die Uferpromenade am Lotsekai und die Erschließungsstraßen im Ausstellungsjahr der Internationalen Bauausstellung in unsaniertem Zustand oder als Baustelle präsentieren würden“, heißt es in einem Schreiben des Bezirksamtes an die Finanzbehörde. Auch würde das Vertrauen von Investoren leiden. Neue Projekte wären gefährdet. Darüber hinaus würde die Verschiebung der Mittel dazu führen können, das Bundesmittel aus dem Programm Stadtumbau-West nicht zur Verfügung gestellt werden.

Das Wohnungsbauprojekt auf der Schlossinsel wird sicher realisiert. Der historische Hansen-Speicher, der als erstes dem 52-Tonnen-Abrissbagger zum Opfer fiel, konnte wegen schwerer Kriegsschäden nicht erhalten werden. Der Neubau an der Stelle wird seine Silhouette bekommen. Die nächsten sechs Wochen werden die Abrissarbeiten zu beobachten sein. Ein guter Standpunkt dafür ist vor dem Wasserschutzpolizeirevier 3 an der Straße Am Überwinterungshafen zu finden.
Die anderen Wohnungen des Projekts haben ein modernes, typisch „energetisches“ Erscheinungsbild.  Laut Lorenz wird in Harburg die „Zukunft des Wohnens“ realisiert. Wie die aussieht, soll für ihn die Thomson Group International Strategy Consultants mit Hilfe von Zukunfts- und Marktforschung herausfinden. zv
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