100311Markt3Harburg - Die Richtung ist klar. Der Markt wird nach dem Ende der Bauarbeiten auf dem Sand an seinen alten Standort zurück verlegt. Darüber sind sich nicht nur die Harburger Parteien einig. Auch Bezirksamtsleiter

 Torsten Meinberg unterstützt die Linie. "Meines Erachtens gehört der Markt auf den Sand", sagt er. Viele Marktbeschicker und Kunden sehen das ganz anders.

"80 Prozent unserer Kunden finden den Standort auf dem Rathausplatz attraktiver", sagt Jens Köster, Betreiber der Marktlounge. "Wir haben 50 Prozent Neukunden. Selbst am Montag war hier was los." Das sehen auch Uwe Böttger und seine Tochter Simone Micheel so, die einen Blumenstand haben. "80 bis 90 Prozent unserer Kunden gefällt das besser hier", sagen sie. Dafür nähmen sie auch den längeren Weg zum Fahrzeug in Kauf, wenn es vor dem Rathausplatz für sie besser laufen würde. Das sieht Holger Martens, Gemüsehändler, anders. "Am Sand ist alles, was man braucht. Vor allem stehen da die Fahrzeuge mit der Ware. Der Platz ist besser angebunden", findet er. Auch würden zum Rathausplatz weniger Kunden kommen. "Der Markt", so seine Befürchtung, "wird kaputt geredet."

Dass alles kaputt geht, wenn der Markt zum Rathausplatz abwandert, befürchtet Ali Kasghar. Er hat dort zwar keinen Stand, sondern einen Tabakwarenladen am Sand. Er war Donnerstagmorgen extra mit einem Schild auf den Rathausplatz gekommen, um beim Rundgang von Bezirksamtsleiter Meinberg auf seine Forderung aufmerksam zu machen. Mit seinem Schild macht er die Misere deutlich. Die scheint durchaus real. Denn tatsächlich dürfte es den Bezirkspolitikern weniger um einen möglichst attraktiven Marktstandort, sondern um eine Überlebensmaßnahme für die Geschäfte rund um den Sand gehen. Die haben ganz offensichtlich die Befürchtung, dass sie ein Angebot haben, dessen Attraktivität ihr Überleben nicht sichert oder zumindest ohne das "Zugpferd" Markt die Umsätze einbrechen lässt.

Diese Einschätzung nährt auch die FDP. Der Kreisvorsitzende Carsten Schuster räumt zwar ein, dass der Markt auf dem Sand schon bei schmuddeligen Winterwetter durch ein paar Sonnenstrahlen zur "traumhaften Kulisse" werde. Den Kunden das dauerhaft zu bieten wäre aber "fatal". „Das Umfeld des Harburger Sand braucht den Markt und der Markt braucht den Sand“, meint Schuster. Auch Ralf-Dieter Fischer, Kreischef der CDU sieht die Zukunft am Sand "öde" wenn der Markt auf der anderen Seite des Tunnels liegt.

Dass zumindest der Markt nicht damit auskommt zeigt die Vergabe eines Gutachtens für 25.000 Euro an die Hafencity Universität. Die sollte Vorschläge unterbreiten, wie dem Markt wieder zu mehr Attraktivität verholfen werden kann. Die Vorschläge haben eines gemeinsam. Der Markt darf nicht so bleiben, wie er ist. Stattdessen wird eine "komprimierte Version", ein Markt an wenigen Tagen, eine "Markthallenversion", für die Investoren gefunden werden müssen und die Parkplätze wegfallen, die Verlegung auf den Rathausplatz und eine "Edelmarktversion", bei der das Sortiment die Kunden locken soll, vorgeschlagen.

Ob tatsächlich im Sinne eines möglichst attraktiven Marktes diskutiert werden wird, darf bezweifelt werden. Der Bezirk dürfte auch vor den Kosten einer dauerhaften Verlegung zurückschrecken. Neue Stromanschlüsse müssten gelegt werden. Auch der Untergrund soll nicht geeignet sein. zv

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