NeulaenderQuarreeGelaendeHarburg – Überraschende Wende beim Mega-Projekt Neuländer Quarrée: Obwohl seit der Jahreswende im Wohnungsbau strengere Auflagen für den Lärmschutz

in der Nähe von Eisenbahnstrecken gelten, darf Projektentwickler Thorsten Wiehe von der Goldwert-Gruppe einen „Schienenbonus“ in Anspruch nehmen. Im Klartext: Er darf bei der Planung der Wohnhäuser am Ecke Hannoversche Straße/Neuländer Straße fünf Dezibel vom tatsächlichen Lärm runterrechnen. Für die künftigen Bewohner heißt das: Sie müssen mehr Lärm in Kauf nehmen.

Bis vorgestern gingen die Mitglieder des Harburger Stadtplanungsausschusses noch davon aus, dass das 200-Millionen-Euro Projekt geplatzt ist. Denn Baudezernent Jörg Penner hatte ihnen immer erzählt: Wenn wir Goldwert bis Ende 2014 keine Vorweg-Baugenehmigung erteilt haben, fällt der Lärmbonus weg. Dann wären die Wohnungen an dieser Stelle nicht mehr zu verantworten.

Doch in der jüngsten Ausschuss-Sitzung teilte Penner den verblüfften Bezirkspolitikern auf Nachfrage von CDU-Chef Ralf-Dieter Fischer mit: Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt habe jetzt eine andere Rechtsauffassung, demnach sei für den Schienenbonus nicht mehr die Vorweg-Baugenehmigung erforderlich, es reiche auch das Ende des Bebauungsplanverfahren. Und das hatte  Penner in 2014 noch in aller Eile durchgepeitscht – wobei es nur um eine kleine, aber entscheidende Textänderung ging. Erst durch den geänderten Text ist Wohnungsbau an dieser (unabhängig vom Lärmschutz) überhaupt möglich.

Ralf-Dieter Fischer und auch SPD-Grande Harald Muras hakten immer wieder nach. Seit wann denn diese angeblich geänderte Rechtsauffassung der Fachbehörde bekannt sei und warum der Ausschuss darüber nicht informiert worden sei. Penner antwortete ausweichend, schließlich sagte Heinz-Jürgen Rook vom Amt Stadt- und Landschaftsplanung: „Das müsste so Ende November, Anfang Dezember gewesen sein.“  Inzwischen ist Anfang Februar, und die Frage, ob ein 200-Millionen-Euro-Projekt gebaut wird oder nicht, wäre sicher eine Mitteilung wert gewesen.

Nach einem Bericht der  Immobilien-Zeitung geht Thorsten Wiehe nach wie vor davon aus, mit dem Bau eines Wohnhochhauses mit 90 Mietwohnungen, einen 200-Zimmer-Hotel und 100 weiteren Mietwohnungen noch im Frühjahr 2015 beginnen zu können. Die Bedingungen  der Bezirkspolitiker, die Wohnungen nur gleichzeitig mit dem Gewerbeteil des geplanten Technologieparks zu bauen, wird Wiehe wohl nicht ganz einhalten können. „Der Rohbau des Gewerbeteils wird etwa gleichzeitig mit der Fertigstellung der Wohnungen stehen“, sagte Wiehe der Immobilien-Zeitung. Die Reihenfolge der Baumaßnahmen ergebe sich ausschließlich „aus den notwendigen wirtschaftlichen und baulogistischen Abhängigkeiten“.

Vor allem Ralf-Dieter Fischer hatte immer wieder den Verdacht geäußert, Wiehe wolle schnell die lukrativen Wohnungen bauen und verkaufen – und dann das Projekt nicht weiterführen. Vorgestellt wurde das Neuländer Quarree im März 2013. Damals war angekündigt worden, dass das komplette Projekt, das als "weltweiter Leuchtturm der Siedlungstechnik" angekündigt wurde, in fünf Abschnitten gebaut und 2015 fertig sein wird. ag