141104WV3D03Harburg – November 2016 in Harburg: Franziska Wedemann, Vorstandsmitglied des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden und Chefin der Großbäckerei Wedemann

verhakt sich am Eingang des Audimax mit ihren High Heels in der Fußmatte, knickt um, der Absatz bricht ab. Ausgerechnet jetzt! Sie soll gleich im Audimax auf die Bühne und die Gäste begrüßen. Keine Problem! Franziska Wedemann greift in ihre Handtasche, zieht einen USB-Stick mit allen Informationen für Maße, Design, Oberfläche und Material des Absatzes heraus, geht nebenan ins Fab Lab der TU und lässt sich am 3D-Drucker einen neuen Absatz drucken. Wenig später steht die auf der Audimax-Bühne, und keiner merkt etwas.

November 2014 in Harburg: Franziska Wedemann verhakt sich tatsächlich am Eingang des Audimax mit ihren High Heels in der Fußmatte, der Absatz bleibt aber daran, wenig später begrüßt sie zusammen mit Bert E. König, Geschäftsführer der Stiftung zur Förderung der TUHH, die Gäste und hört kurz darauf zwei spannende Vorträge zum Thema „Die druckreife Welt – wie 3D-Druck unsere Welt verändert“.
Prof. Dr. Frank T. Piller vom Institut für Technologie- und Innovationsmanagement an der Technischen Hochschule Aachen verblüfft gleich mit Beispielen, wie weit verbreitet die Fertigung von Teilen durch schichtweises Auftragen von zunächst pulverisierten, dann geschmolzenem Material („additives Fertigungsverfahren“) durch einen 3D-Drucker ist. So würden heute zum Beispiel alle Hörgeräte auf diese Weise hergestellt – weil jedes Ohr anders ist und weil deshalb jedes gut sitzende Hörgerät individuell geformt werden muss. Und damit ist schon ein wesentliches Merkmal des 3D-Drucks deutlich: Die Fertigungskosten sind unabhängig von der Stückzahl, ähnlich wie bei Digitaldruck. Beim herkömmlichen Druck sinken die Fertigungskosten pro Blatt mit der Stückzahl rapide.

Ein anderes wesentliches Merkmal des 3D-Drucks. Auch wenn ein Teil äußerst komplex aufgebaut ist, erhöht das nicht die 141104WV3D08141104WV3D01Fertigungskosten pro Stück. Das alles sind grundsätzlich andere Parameter als in der herkömmlichen Fertigung. Noch sei gar nicht überschaubar, so Piller, was das wirklich bedeute. Klar sei nur, dass 3D-Druck eine völlige andere Art zu konstruieren voraussetze. Und da hapere es zurzeit noch. Piller: „Kein Wunder, wenn ich an meiner Hochschule einen Lehrstuhl für die neue Art der Konstruktion durchsetzen will, habe ich automatisch 49 Kollegen, die Old-school-Konstruktion lehren.“
Piller ist BWLer, interessiert ihn vor allem, welche neuen Geschäftsmodelle rund um den 3D-Druck entstehen können. „Eins ist klar, sobald irgendetwas digital vorhanden ist, bedient sich die ganze Welt daran, egal ob legal oder nicht“, sagte Piller. Deshalb würden immer mehr „Hobbyisten“ ins Geschehen eingreifen, also irgendwelche Tüftler, die zu Hause mit einem 3D-Drucker auf dem Küchentisch individuelle Nachfragen bedienen.

Nur noch staunen konnten die Zuhörer, als Dipl.-Ing. Peter Sander. Leiter Emerging Technologies and Concepts by Airbus, schilderte, wie weit verbreitet das neue Fertigungsverfahren in der einzigartigen Schlüsseltechnologie Norddeutschlands, der Luftfahrtindustrie, ist. Und dasa die NASA einen 3D-Drucker zur ÎSS-Raumstation geschickt hat, um im All Ersatzteile oder auch neu konstruierte Teile zu drucken, diese nach Gebrauch aber wieder vor Ort zu recyclen und das Material für andere Teile zu verwenden. Sander blieb auf der Erde, speziell bei Airbus in Bremen und Hamburg und stellte fest: „Wir sind auf diesem Gebiet weltweit ganz weit vorne. Das ist eine einmalige Chance für Deutschland.“  Und Prof. Piller steigerte die Euphorie noch als er feststellte: „Ich glaube, dass die Produktion wieder zurück nach Deutschland kommt.“ ag