140514StromHarburg – Es ging um das zukünftige Gesetz für die erneuerbaren Energien, über das Sebastian Morich, der Leiter Energiewirtschaft bei Spie, einem

französischen Konzern für Energiemanagement, bei der Monatsveranstaltung des Wirtschaftsvereins in der Elbloge referierte.

Zuhörer Werner Marnette, Ex-Wirtschaftslenker beim Kupfer-Konzern Aurubis und Ex-Minister der Landesregierung Schleswig-Holstein, fasste es so zusammen: „Irrsinn.

Das war natürlich die Sicht eines Wirtschaftsmannes. Denn die Verschärfung des Erneuerbare Energien Gesetz wird nach seiner Einschätzung dazu führen, dass Betriebe Personalkosten reduzieren und auf Investitionen verzichten, um den Anteil der Kosten für Energieverbrauch hoch zu treiben, damit man in den Genuss von Vergünstigungen kommt. Tatsächlich gibt es Betriebe, die Maschinen laufen lassen wenn nicht produziert wird damit sie Strom verbrauchen. Die Rechnung: Höherer Stromverbrauch = niedrigere Energiekosten.

Für den Endverbraucher ist das nicht möglich. Er zahlt, damit die Einspeiser von Erneuerbarer Energie, die Vorrang vor konventionell erzeugter Energie hat, ihren versprochenen Strompreis bekommen. So zahlen Privatkunden trotz der niedrigsten Stromkosten ab Kraftwerk, den höchsten Strompreis, den es je gab.

Das Gesetz, so Morich, wird das nicht ändern. Der Anstieg der Kosten soll lediglich gebremst werden. Es gibt aber Fallstricke. Schon in der Vergangenheit gingen viele Unternehmen dazu über Energie selbst zu erzeugen und so der EEG-Umlage zu entgehen. Der Effekt: Der Verbrauch des bezogenen Stroms sank, die Preise an den Märkten purzelten wegen der geringeren Nachfrage. Der Endkunde musste mehr zahlen, weil die EEG-Umlage für den Einzelnen stieg.

Denn weniger Verbraucher müssen so den teuren Strom bezahlen, der aus erneuerbaren Energien ins Netz gespeist wird – egal ob er verbraucht wird, oder nicht.

Das neue Gesetz sieht auch Einschnitte für die Erzeuger von erneuerbaren Energien vor. Das gilt aber nur für neue Anlagen. Sie bekommen weniger Geld für jede erzeugte Kilowattstunde. Auch die Firmen, die selbst Strom erzeugen, sollen jetzt EEG-Umlage in verringertem Umfang zahlen. „Das ist so, als wenn man Steuern für seine im Garten gezogenen Tomaten zahlt“, sagt ein Telnehmer.

Die Crux: Wenn sich die eigene Energieerzeugung nicht mehr lohnt, wird nicht in neue Anlagen investiert. Wandern Unternehmen ab, kommt es für den Endverbraucher noch dicker: Er muss dann deren bisherigen Anteil an den Kosten für die erneuerbaren Energien übernehmen. Dem versucht man mit allerlei Ausnahmen entgegen zu wirken. Das zeigt auch der Umfang des EEG. War es 2000 noch acht Seiten dick, sind es jetzt 150 Seiten.

Lichtblick für Privatkunden: Kleinanlagen zur Erzeugung von Energie, bis 10.000 Kilowattstunden (kWh), bleiben von der EEG-Umlage befreit. Fazit: Der Kauf einer Photovoltaikanlage könnte sich lohnen, wenn man den Strom selbst verbraucht. Sie sind billiger und effizienter geworden. Machen das viele, steht das nächste Problem vor der Tür. Die Verbraucher, die weiter ihren Strom über das Netzt beziehen, werden noch mehr EEG-Umlage zahlen müssen. dl